Die Bambuszahnbürste – HYDROPHIL im Interview

Bambus in aller Munde – für uns ist die Bambuszahnbürste aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Da wir seit mehreren Jahren nun schon stets die Zahnbürste aus Holz von HYDROPHIL verwenden, wollten wir mehr über das Unternehmen erfahren. Im Interview ist uns dies nun gelungen!

Der Blogartikel über die Bambuszahnbürste war vor 2,5 Jahren mit einer der ersten Artikel, der auf subvoyage online gegangen ist. Seitdem ist uns der treue Begleiter nicht mehr von der Seite gewichen. Keine Frage, dass es die nachhaltige Zahnbürste aus Holz auch bald in unserem eigenen Green Online Concept Store geben wird.

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Wanja (links) & Christoph (rechts) – Gründer von HYDROPHIL | Bildquelle: © HYDROPHIL

Da uns Transparenz besonders wichtig ist, sind wir zu unserem künftigen Lieferanten nach Hamburg gefahren und haben Christoph von HYDROPHIL im persönlichen Interview einmal auf den Zahn gefühlt:

Warum steht bei euch das Thema Wasser im Mittelpunkt?

Da kann ich nun nur für mich persönlich sprechen. Seitdem ich mich näher mit dem Thema “Wasser” auseinandersetze, ist mir noch stärker bewusst geworden, dass sich nahezu jeder Konflikt irgendwann sozusagen im Wasser trifft. Sei es ein soziokultureller Konflikt wie etwa “Wer geht das Wasser holen?” in Ländern, in denen Wasserknappheit herrscht, oder auch ein politischer wie “Wer bekämpft sich gerade wo für Wasser?”. Und dann natürlich die unterschiedlichsten Umweltaspekte. Es ist also ein unheimliches weites und spannendes Feld, in dem ich selbst aktiv werden möchte.

Eure Produkte sind wasserneutral, vegan & fair. Wie definiert ihr den Begriff “wasserneutral” für euch?

Eine offizielle Definierung, etwa per Duden, gibt es für diesen Begriff nicht. Uns ist es besonders wichtig, dass bei der Produktion unserer Waren möglichst wenig Schindluder mit Wasser betrieben wird. Das fängt bei dem Rohstoff unserer Zahnbürsten an: der Bambus ist für uns die perfekte Pflanze, da dieser nicht bewässert werden muss. Es werden auch keine Pestizide verwendet, die das Grundwasser verunreinigen würden. Das zieht sich bis zur Verpackung durch. Auch diese ist abbaubar und schadstofffrei. Unser Leitziel ist es somit so wenig Wasser wie möglich zu verbrauchen und wenn es verbraucht wird, dann darf es nicht verunreinigt in den Kreislauf zurückgeführt werden.

Das erste Produkte, das es bei HYDROPHIL zu kaufen gab, war ein T-Shirt. Wie seid ihr zur Bambuszahnbürste als Key-Produkt gekommen?

Wir haben über Alltagsprodukte mit Bezug zum Wasser nachgedacht: Was könnte man da anbieten? Was könnte gut funktionieren? Und da kam relativ schnell der Gedanke zur Bambuszahnbürste auf. Es ist der perfekte Artikel, den man wirklich täglich benutzt. Ein Artikel, der überall präsent ist. Ein Artikel, mit wahnsinnig hohem Durchlauf.

Mit der Bambuszahnbürste hat die Fokussierung unseres Unternehmens begonnen. Artikel wie etwa recyceltes Kinderspielzeug, das wir zu Beginn auch angeboten haben, sind aus dem Sortiment geflogen. Die Seife, die wir auch schon länger im Angebot haben jedoch zunächst zugekauft wurde, haben wir dann selbst produziert. Mit der Zeit hat sich alles um die Zahnbürste herum aufgebaut und wir beschäftigen uns nun mit dem Thema “nachhaltiges Badezimmer”. Diese Fokussierung hat vor etwa 1,5 Jahren stattgefunden, gegründet haben wir das Unternehmen bereits 2013 – HYDROPHIL gibt es also seit 4 Jahren.

Warum ausgerechnet Bambus? Stand von Anfang an fest, dass eure Zahnbürste aus diesem Material gefertigt sein wird oder gab es auch andere Optionen?

Von Anfang an klar war das nicht. Ursprünglich stand die Überlegung die Zahnbürste aus heimischen Hölzern zu produzieren im Raum. Es stellte sich jedoch als ziemlich schwierig heraus jemanden zu finden, der das gemeinsam mit uns macht und das zu einem angemessenen Preis.

Die heimischen Hölzer sind auch einfach mit dem Bambus vergleichbar. Der wohl entscheidenste Punkt: Bambus ist ein Gras. Er wächst dadurch unheimlich schnell nach. In Japan ist Bambus sogar ein Unkraut. Bambus ist daher ein relativ nachhaltiger Rohstoff, was uns sehr wichtig ist.

Ihr produziert in China, was für viele vielleicht zunächst einen bitteren Beigeschmack haben mag. Bekommt ihr dazu viele Nachfragen?

Ohja, manchmal ist das gar nicht so einfach. Ich persönlich finde es sehr spannend in einem Land wie China zu produzieren. Zum einem können wir vor Ort einiges an Emissionen kompensieren. Solch ein Bambus kompensiert 2-3-mal so viel CO2 wie ein herkömmlicher Baum. Außerdem können wir durch unsere eigenen kleine Produktion Einfluss auf die Arbeitsbedingungen vor Ort nehmen und diese mitgestalten. Natürlich sind wir noch ein kleines Unternehmen, unsere Kooperationspartner in Asien sind aber sehr wichtig für uns und das Verhältnis ist mittlerweile freundschaftlich.

Wie schaut dieser Einfluss, den ihr in China ausüben könnt, aus?

Wir arbeiten mit einer kleinen Produktionsstätte zusammen. Jemand, der bereits riesig groß ist, hätte nicht mit uns zusammengearbeitet, da wir einfach noch viel zu klein sind. Aber so kann man voneinander profitieren und sich gegenseitig aufbauen

Natürlich haben wir uns alle Arbeitsverträge vorlegen lassen, können so beispielsweise Kinderarbeit ausschließen. Wir sind aber auch einfach in einem sehr engen Kontakt mit unseren Partnern, so immer im Bilde und können entsprechend eingreifen. Regelmäßig skypen oder schreiben wir mit unseren Kooperationspartnern in Asien. Wir fliegen aber auch einmal pro Jahr nach China und besuchen die Produktionsstätte. Letztes Jahr haben wir vor Ort ein Video produziert, eine Art Live-Tagebuch. Sehr spannend, so können wir natürlich auch Transparenz gewährleisten.

Wir können den Menschen in China aber auch immer wieder neue Anreize liefern. Früher war das Heizen im Winter für die Arbeiter oft ein Problem, meist wurde dafür teurer und schädlicher Diesel verwendet. Uns kam die Idee den Ofen umzubauen, da in der Produktionsstätte einiges an Schnittabfällen anfällt und diese sich optimal zum Heizen eignen. Tatsächlich wurde das umgesetzt. Es ist toll auf diesem Weg kleine wie größere Veränderungen vor Ort bewirken zu können.

Wie kann man sich die Produktionsstätte in China genau vorstellen?

Im Prinzip gibt es da bloß 2 Stationen neben dem Feld. Zum einen ist da das Sägewerk. Das ist direkt neben den Bergen, sprich nah an den Bambusfeldern. Der Bambus wird bei einer Höhe von 4-5 Metern gefällt und dann im Sägewerk gespalten und in Öfen getrocknet, um weiter verarbeitet werden zu können. Im Anschluss geht es in die Drechslerei. Dort wird geschliffen, die Borsten werden eingeschossen, die Bambuszahnbürsten bekommen gegebenenfalls noch eine Lackierung und werden dann auch direkt vor Ort verpackt. Die Produktionskette ist also relativ überschaubar.

Auch die Verpackung eurer Bambuszahnbürste ist plastikfrei. Warum verzichtet ihr ganz bewusst auf Sichtfenster & Co?

Im stationären Handel ist es tatsächlich sehr schwer eine Zahnbürste ohne Sichtfenster zu verkaufen. Für unsere Größe sind wir zwar schon relativ bekannt, dennoch sind Konsumenten oft zunächst einmal skeptisch. Wir wurden auch bereits des öfteren von größeren Ketten dazu aufgefordert ein Sichtfenster mit Plastik in unsere Verpackungen einzubauen. Ohne den Plastikschutz dürften die Bürsten mit Sichtfenster nämlich auch nicht verkauft werden. Wir haben jedoch immer gesagt, dass wir das nicht machen werden. Einige haben sich darauf eingelassen, andere haben komplett abgeblockt. Für mich wäre es absurd die Bambuszahnbürste in einer Plastikverpackung zu verkaufen.

Welche Zukunftspläne gibt es für HYDROPHIL?

Persönlich fände ich es schön, wenn das alles so weiter klappt wie bisher. Besonders der Aspekt, dass wir “machen können was wir wollen”. Wenn jemand auf uns zu kommt und unsere Produkte vertreiben möchte, dieser aber einfach nicht zu uns passt, dann lehnen wir diese Anfrage ganz bewusst ab. Wenn wir kein Plastiksichtfenster haben möchten, dann machen wir das eben nicht – egal wie groß die Kette ist, die das Produkt mit Sichtfenster anfragt. Die Freiheit möchte ich mir und uns gerne weiter beibehalten.

Natürlich wäre es toll, wenn es HYDROPHIL-Produkte auch in Grönland und Japan geben würde. Aber wir sind eine Art Familienunternehmen unter Freunden und das möchten wir gemeinsam mit unseren Mitarbeitern auch bleiben. Wir haben keinen Weltherrschaftsanspruch, unsere unternehmerische Freiheit ist uns dafür einfach viel zu wichtig.

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