Die Food Assembly in Köln – regionale Lebensmittel online einkaufen

Regionale Lebensmittel online bestellen und um die Ecke abholen. Das ist das Prinzip hinter der Food Assembly. Ganz bequem vor dem Rechner die Produkte auswählen und gleich bezahlen – ohne Mindestbestellwert oder Mitgliedsbeitrag. Bei der Abholung der eingekaufen Produkte kann man deren Erzeuger persönlich kennen lernen und so erfahren wo das Gemüse und Obst tatsächlich herstammt.

Ihren Ursprung hat die Food Assembly in Frankreich. Im Juli hat 2014 wurde die erste Assembly in Köln eröffnet – genauer gesamt in Ehrenfeld, mit dem Colabor (einem Coworking Space, in dem sich alles um das Thema Nachhaltigkeit dreht) als Gastgeber. Kurz darauf wurden gleich mehrere Assemblies in Berlin gegründet, wo es bis heute die meisten deutschen Assemblies gibt.

Fragen an die Organisatorin der Food Assembly in Ehrenfeld

Von Mai bis Dezember habe ich wöchentlich einen Arbeitstag im Colabor eingelegt. Im Colabor kann man nicht nur gut arbeiten, ich habe dort auch viele sehr spannende Projekte entdeckt und liebe Menschen kennengelernt. Die Food Assembly ist eins dieser Projekte und Katharina Schwartz einer dieser Menschen.

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Katharina ist nicht nur Mitgründerin des Coworkings Spaces „Colabor“ in Ehrenfeld, sie ist auch die Organisatorin der Food Assembly in Köln. Ich habe Katharina ein paar Frage zu dem Projekt gestellt und sie gibt euch in den Antworten einen kleinen Einblick hinter die Kulissen:

Wer hat das Projekt in Ehrenfeld ins Leben gerufen?

Da hole ich mal etwas aus: Nach Deutschland geholt hat Valentin Thurn das Projekt. Er hat die Französische Mutterfirma „La Ruche qui dit Oui“ auf der Recherche Tour für seinen damaligen Film „Taste the waste“ kennengelernt und die Gründer daraufhin nach Deutschland eingeladen um das Projekt vorzustellen. Und zwar nach Köln. Wir waren davon sofort begeistert. Wo könnte eine Food Assembly besser hinpassen als in einen Coworking Space, in dem sich alles ums Thema Nachhaltigkeit dreht? Schließlich ist Ernährung und alles was da auch politisch dran hängt etwas was uns alle angeht und unsere Zukunft beeinflussen wird. Hier muss sich einfach jeder an die eigene Nase fassen, wenn es darum geht wie wir uns zukünftig ernähren wollen.

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So freuen wir uns also, dass wir mit unserer kleinen Food Assembly das Thema der besseren, nämlich saisonalen und regionalen Ernährung damit direkt zu uns ins Viertel holen konnten. Und zwar so richtig greifbar. So haben nun zumindest schonmal die Ehrenfelder einmal die Woche die Möglichkeit, eine bessere Kaufentscheidung zu treffen und die saisonale Ware vom Feld ums Eck der anonymen Importware aus dem Supermarkt vorzuziehen.

Bist du die alleinige Organisatorin?

Die Betreuung der Food Assembly mache ich alleine ja. Allerdings nicht ohne die Unterstützung von lieben Assembly-Fans und -Mitgliedern wie unserer Colabor-Mitarbeiterin Svenja oder meiner Mutter, die so gut wie jede Woche dabei ist. Natürlich nicht zuletzt um ein festes, wöchentliches Date mit ihrer Tochter zu haben.

Wie entsteht der Kontakt zu den Erzeugern?

Vieles ist Recherche. Die mache ich. Einige Kontakte kamen auch aus dem Deutschen Food Assembly Netzwerk. Zudem bin ich ja insgesamt sehr engagiert rund ums Thema regionale Ernährung. Als Vorstandsmitglied von Taste of Heimat zum Beispiel. Mit unserem Verein sind wir gerade dabei, einen Ernährungsrat für Köln und Umgebung zu gründen. Dieser wird sich für eine bessere Ernährungspolitik in unserer Region einsetzen. Über die Arbeit in den Ausschüssen habe ich beispielsweise Bauer Moll aus Kerpen kennengelernt, der uns seitdem mit Gemüse und Eiern beliefert.

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Zudem veranstalten wir Events im Colabor Rund ums Thema Essen und lernen darüber immer wieder Produzenten aus der Region kennen.

Sind die Erzeuger immer bei der Ausgabe dabei oder liefern sie ihre Produkte lediglich ab?

Das haben wir in unserer Food Assembly etwas anders geregelt, als in den meisten anderen: Jeden 1. Mittwoch im Monat sind die Produzenten bei der sogenannten Verteilung anwesend und können zu Anbau, Herstellung und all dem befragt werden. Zu den anderen Terminen, liefern sie teilweise früher. Dies gibt gerade kleinbäuerichen Betrieben überhaupt erst die Chance, bei der Food Assembly mitzumachen.

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Gerade für Bauern mit Tieren auf dem Hof ist es nicht unbedingt möglich, zu unserer „Feierabend-Zeit“ in die Stadt zu fahren. Da haben wir Städter eben einen anderen Rhythmus. Den Kunden reicht die Möglichkeit, einmal im Monat ihre Fragen loszuwerden und „ihrem Bauern die Hand zu schütteln“. Hier lernt man sich kennen und schätzen. Uns so soll das sein!

Kann ich mittwochs auch spontan vorbeikommen und etwas kaufen?

Spontan vorbei kommen und sich die Food Assembly Verteilungen anschauen kann man immer Mittwochs zwischen 17:30 und 19:00 – kaufen kann man allerdings nichts. Denn das Prinzip ist ja, dass nur das Gemüse geerntet, nur das Brot gebacken und mitgebracht wird, was auch bestellt ist. So werden Lebensmittelabfälle wie auf dem Wochenmarkt oder im Supermarkt vermieden.

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Da der Verkauf online läuft, können wir als Coworking Space Gastgeber der Assembly sein. Wir stellen unsere Räume zur Verfügung und sind ja lediglich Treffpunkt oder Übergabeort. So kann wirklich jeder eine Food Assembly eröffnen und damit seinen eigenen Bauernmarkt im Foyer der Grundschule, in der Kita, einem separaten Raum eines Cafés oder ähnlichem eröffnen. Lediglich öffentlich zugänglich muss er sein. Und zwar jede Woche.

Welche Pläne gibt es für 2016?

Die Food Assembly soll eine echte Alternative zum Supermarkt werden. Doch dafür braucht es auch eine entprechende Auswahl an Grundnahrungsmitteln, die den Tagesbedarf decken. Im Laufe des Sommers haben wir hoffentlich genügend Produzenten an Board, um dies möglich zu machen. Wir freuen uns also stets über Bewerbungen von Produzenten oder kleinen Manufakturen, die mit regionalen Produkten arbeiten.

Fragen an Nick von Liebelingsleckereien als Erzeuger der Food Assembly Ehrenfeld

Neben frisch geernteten Produkten wie Gemüse und Obst, kann man in der Food Assembly diverse verarbeitete Produkte kaufen. Dazu gehört natürlich auch das Brot. Darüber hinaus befinden sich im „Online-Shop“ weit aus exotischere Köstlichkeiten wie etwa der Kürbis-Kokos-Ketchup, das Butternut-Apfel-Chutney oder der Sirup in der Geschmacksrichtung „Quitte-Minze“ – allesamt von dem Label Lieblingsleckereien.

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Hinter Lieblingsleckereien stecken Nick und seine Lebensgefährtin Daniela, die ihren Arbeitsplatz ebenfalls im Colabor hat. Die beiden haben vor kurzem einen gleichnamigen Instagram-Account ins Leben gerufen, auf dem sie nicht nur die eigenen Produkte vorstellen, sondern über die unterschiedlichen Facetten des Kochens und Essens berichten. Auch Nick hat mir 3 Fragen beantwortet, um einen kleinen Einblick in Lieblingsleckereien erhalten zu können:

Seit wann gibt es Lieblingsleckereien und wie entstand die Idee?

Die Idee zu Lieblingsleckereien entstand in einer etwas schwierigen Lebensphase im Frühjahr 2014. Mein damaliger Job in der IT führte mich zu einem kapitalen Burnout und ich wusste, dass ich dringend etwas verändern muss. Ich koche und esse für mein Leben gern. Gutes Essen bedeutet für mich Lebensqualität. In vielen schlaflosen Nächten kam mir dann die Idee, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Und da ich so gut wie immer großartiges positives Feedback bekam, wenn ich Freunde bekochte, dachte ich dass meine Kreationen ja so schlecht nicht sein können. Warum also nicht die Leckereien in größerer Menge herstellen und versuchen zu verkaufen.

Warum habt ihr euch dazu entschieden die Produkte über die Food Assembly zu verkaufen?

Auf die Food Assembly wurde ich über meine LL- und Lebenspartnerin Daniela Klütsch aufmerksam. Sie hat einen Arbeitsplatz im Kölner Colabor, deren Betreiberin Katharina Schwarz die Food Assembly dort sozusagen betreut und verwaltet. Die Idee der Food Assembly finden wir gut, da sie den Verkauf von regionalen und saisonalen Produkten fördert. Da wir solche Initiativen gerne unterstützen wollen und wir die Nähe zu den Konsumenten schätzen, die durch dieses Konzept automatisch entsteht, freuen wir uns, an diesem Markt mitmachen zu können.

Welche Erfahrungen habt ihr bisher mit der Food Assembly gemacht?

Gute! Wir haben viele andere Anbieter unterschiedlichster Produkte kennengelernt, deren Produkte probiert, Käufer kennengelernt, uns ausgetauscht, selber neue Ideen zum probieren angeboten und Kritiken dazu erhalten, die uns neue Anregungen gegeben haben. Eine schöne Erfahrung ist es auch, Menschen zu begegnen, die die Qualität der Produkte und deren Herstellung zu schätzen wissen und mit ihnen Erfahrungen darüber zu teilen.

Wo und wie kauft ihr eure Lebensmittel ein?

Kommt ihr vielleicht aus Köln? Kanntet ihr die Food Assembly bereits? Falls ihr aus einer anderen Stadt kommt, gibt es bei euch etwas vergleichbares? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen mit regionalen Lebensmitteln in den Kommentaren 🙂


Die Bildrechte der beiden Portraitbilder von Katharina Schwartz liegen bei der Fotografin Monika Ewa Kluz.

9 Kommentare

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  4. Dieses Projekt ist ja einfach nur GROßARTIG!!! Bin ganz begeistert, wie man merkt 🙂 Danke für dieses supertolle Interview und ich schaue mich jetzt gleich mal auf deren Seite um.

    Liebe Grüße
    Julia

    • Sehr sehr gerne, Interviews bereiten mir auch immer die größte Freude 🙂 In München gibt es ja gleich 2 Food Assemblies, konntest du bereits eine testen? 🙂

  5. Ich finde es immer so toll, solche innovativen und regionalen Ideen kennenzulernen und zu unterstützen. Toller Artikel 🙂

    Liebe Grüße
    Lena

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