Kleiderschrank-Update: unnützes raus, neue Fair-Fashion-Lieblinge rein

Der Kleiderschrank ist voll und trotzdem dauert die Auswahl des Outfits mal wieder Ewigkeiten, da ich nichts passendes zu finden scheine. Mein Kleiderschrank ist zu voll. Das soll sich ändern. Ich habe ausgemistet und einen riesigen Berg an Kleidung aus meinem Schrank geschmissen um Platz zu machen für meine neuen Lieblinge.

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Über die Jahre hat sich einiges an Kleidung angesammelt. Um ehrlich zu sein bin ich selbst erschrocken, wie viel es tatsächlich ist. In meinem Kleiderschrank drängen sich die Bügel dicht an dicht. Will ich ein auserkorenes Teil herausnehmen, kommen mir noch mindestens drei weitere entgegegen.

Das Problem ist nicht der Kleiderschrank – das Problem sind die Kleidungsstücke

Gewiss ist nicht die Größe des Kleiderschrankes das Problem, die ist mehr als ausreichend. Ganze vier Meter sind die beiden Korpusse nebeneinander breit. Das Problem ist tatsächlich der Anzahl der Kleidungsstücke.

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Die Fülle meines Kleiderschrankes erdrückt mich. Ich kann mich nicht freuen, wenn ich ihn öffne. Ein Luxusproblem mögen einige nun denken. Für mich hat es aber einen tieferen Hintergrund. Ich stelle mir selbst Fragen wie “Warum besitze ich überhaupt so viel Kleidung?”, “Brauche ich das wirklich?” und “Sind das alles Teile, die ich echt toll finde und liebe?”.

Auf die letzten beiden Fragen habe ich schnell eine Antwort gefunden: Nein. So blöd das auch klingt, einige meiner Klamotten hängen tatsächlich seit ihrem Kauf ungetragen in meinem Schrank. Ich brauche sie offensichtlich nicht. Viele der Teile habe ich auch einfach bloß gekauft weil sie ganz ok waren oder bloß einen kurzweiligen Zweck erfüllen sollten. Ich liebe sie aber nicht. Mein Wunsch ist es, einen Kleiderschrank voller Lieblingsteile zu haben. Keinen vollen Kleiderschrank.

Brauche ich das wirklich alles?

Die erste meiner Fragen an mich selbst ist für mich hingegen nicht ganz so leicht zu beantworten. In den Läden werden wir überflutet mit Reizen. Man vermittelt uns “Wir brauchen das!”. Für den Moment macht uns das Shoppen vielleicht auch glücklich. Wir verlassen das Geschäft mit prall gefüllten Tüten und freuen uns über unsere neuen Errungenschaften. Dieses Gefühl hält bei mir schon seit Monaten nicht mehr lange an, wird abgelöst von dem schlechten Gewissen. Mittlerweile ist es soweit, dass mich all mein Zeug belastet.

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Natürlich habe ich meinen Kleiderschrank schon das ein oder andere Mal ausgemistet. In den letzten beiden Jahren bin ich zweimal umgezogen. Bei jeden Packen der Kisten überlegt man, ob man dies oder jenes tatsächlich behalten möchte. Viel zu oft habe ich mir gedacht “Jaaa, also zu dem und dem Anlass kannst du das auf jeden Fall noch einmal anziehen”. Und wann kommt dieser Anlass? Offensichtlich nie. Die Kleidungsstücke, bei denen ich ins Grübeln gekommen bin, verweilen nun seit den 2 Jahren in meiner eigenen Wohnung nach wie vor ungetragen im Schrank.

Auch wenn der erste Schritt nicht leicht ist, diesmal habe ich mich darauf gefreut konsequenter beim Ausmisten zu sein. Daher habe ich es auch nicht “mal eben so zwischendurch” gemacht. Ich habe mir Zeit genommen, gute Musik angemacht und ordentlich dokumentiert was raus geflogen ist. Und jetzt haltet euch fest – ich habe ganze 186 Teile aus meinem Kleiderschrank geschmissen. Ok, da zähle ich auch Dinge wie Bikinis und Strumpfhosen zu, aber das ist für mich eine unfassbar große Zahl.

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Mein Kleiderschrank ist trotz des großen Ausmistens gut bestückt und ich muss mir keine Sorge machen, dass ich am Ende der Woche nichts mehr zum Anziehen habe. Ich bin auch noch nicht ganz an meinem Ziel angelangt. 186 Teile finde ich für den Anfang jedoch schon einmal sehr gut. Meine Kleidungsstücke hängen nun mit reichlich Platz auf ihren Bügeln. Ich freue mich wenn ich die Kleiderschranktüren öffne, fühle mich regelrecht befreit. Die Auswahl des Outfits geschieht nun auch viel flotter. Der Frage, warum ein reduzierter und bewusster Lebensstil so glücklich macht, hat Maike einen tollen und ausführlichen Gastartikel auf subvoyage gewidmet.

5 Tipps zum Ausmisten des Kleiderschrankes

Tipp 1

Nehmt euch ganz bewusst Zeit für das Ausmisten und erledigt es nicht “mal eben zwischendurch”.

Tipp 2

Dreht eure Lieblingsmusik auf damit ihr richtig gut Laune beim Ausmisten bekommt – das macht das ganze wesentlich angenehmer.

Tipp 3

Notiert die Anzahl der Stücke, die ihr aussortiert habt. Wie viele Hosen kommen weg? Wie viele Cardigans? Wenn ihr das Ergebnis schwarz auf weiß seht, könnt ihr euch über eure getane Arbeit noch einmal mehr freuen.

Tipp 4

Fällt es euch schwer euch von Stücken zu trennen, stellt sie erst einmal in einem Umzugskarton in den Keller. So ist die Trennung nicht sofort endgültig. Fehlen sie euch nach einem Monat immer noch nicht, können sie weg. Ihr werdet euch wundern, wie schnell ihr sie vergesst.

Tipp 5

Ein weiterer Tipp, um festzustellen ob ihr gewisse Kleidungsstücke tatsächlich “braucht”: Hängt eure Kleiderbügel nicht wie gewohnt in den Schrank, sondern dreht den Haken einmal herum. Zieht ihr das Teil an und hängt es wieder in den Schrank, dann dreht es diesmal wieder richtig herum. Alle Teile, die nach 1-2 Monaten immer noch falsch herum im Schrank hängen, werden offensichtlich kaum bis gar nicht getragen und können daher weg.

Aussortierte Teile verkaufen oder spenden?

Wohin nur jetzt mit den 186 aussortieren Teilen? Einige ausgewählte Stücke werde ich versuchen auf dem Flohmarkt zu verkaufen. Kleidung geht meistens jedoch eher schlecht weg auf Flohmärkten. Einen Großteil werde ich daher spenden. Meine Blogger-Kollegin Danni von daklue hat ein paar tolle Tipps zusammengestellt, wie man Kleidung am sinnvollsten spendet.

Ein Kleiderschrank voller Lieblingsteile

Neue Teile gelangen nun nur in den Kleiderschrank wenn tatsächlich Bedarf besteht oder mindestens ein altes Teil dafür weicht. Vergangenen Monat hat beispielsweise meine schwarze Jeans ihren Geist aufgegeben. Sie hatte einen Riss über das gesamte Hinterteil – klar, dass da eine neue her musste. Vor dem Kauf habe ich mich diesmal viel intensiver mit dem Produkt auseinander gesetzt und nicht einfach die nächst beste gekauft.

Bei den Kleidungsstücken kommt es mir zum einen auf die Qualität an – sie sollen ja auch ein wenig länger halten – und genau so aber auch auf die Bedingungen, unter denen sie produziert wurden. Für ein Ausgangsmaterial, das unter ökologisch korrekten Begebenheiten angebaut wurde, und faire Löhne zahle gerne auch ein wenig mehr. Dafür kaufe ich einfach weniger. Qualität vor Quantität. Kommt von den Kosten somit für mich quasi auf’s selbe hinaus. Dadurch dass ich mich mit dem Produkt vor seinem Kauf näher auseinandersetze, ist es wenn ich mich schließlich zum Kauf entscheide dann auch wirklich ein Lieblingsteil, das gerne in meinen Kleiderschrank einziehen darf.

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FairFashion Armedangels Kings of Indigo Matt and Nat Pullover Rucksack Jeans

Vier meiner neuen Fair-Fashion-Lieblinge, die bei mir einziehen durften, seht ihr oben auf dem Bild. 1: Longsleeve Drew von Armedangels 2: Rucksack Brave von Matt & Nat 3: Jeans Juno von Kings of Indigo 4: Strickpullover Ines von Armedangels

Habt ihr euren Kleiderschrank auch schon einmal so radikal ausgemistet? Wie habt ihr euch dabei gefühlt? Habt ihr noch weitere Tipps zum Ausmisten? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen 🙂

20 Kommentare

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  6. Das ging mir ganz genauso, besonders nach der Schwangerschaft haben mir die Sachen einfach nicht mehr richtig gepasst. Ich bin allerdings schlecht im weggeben, weil ich immer denke, das ich das irgendwann noch brauchen kann. Lange Rede, kurzer Sinn ich habe angefangen aus alter, ungetragener Kleidung neue Kleidungsstücke zu machen. Ich hänge oft an Stücken, weil ich sie mit einer Erinnerung oder einer bestimmten tollen Zeit verbinde. Durch die Umgestaltung kann ich an dieser „Material gewordenen“ Erinnerung festhalten und habe zusätzlich noch ein neues/altes Lieblingsteil gewonnen.

    Schöne Seite habt ihr hier übrigens, da werde ich glatt öfter mal vorbei schauen 😉
    liebe Grüße, Alex

    • Hallo Alex,

      das mit der Umgestaltung ist eine großartige Idee! Ich habe nach langer Zeit zuletzt noch einmal an einer Nähmaschine gesessen und habe nun ebenfalls große Lust mehr eigene Kleidung zu schaffen beziehungsweise aufzupimpen 🙂

      Vielen Dank für deine lieben Worte!

      Ganz liebe Grüße,

      Julia

  7. Hallo liebe Julia!
    Ich hab gestern deinen Blog entdeckt, weil ich nach Informationen zu Lyocell gesucht habe (der Winterartikel ;D)
    Auf jeden Fall hab ich schnell gemerkt, dass auch alle anderen Themenbereiche mich hier sehr ansprechen! Ich bin auch seid neustem auf den Geschmack gekommen alles materielle auf ein Minimum zu reduzieren. Vieles bleibt sowieso nur im Schrank stehen und verstaubt dort.

    Ich habe meinen Schrank ausgemistet (dabei aber nicht gezählt) und gemerkt wie wenig ich brauche und mache bald weiter. Meine Angst wird langsam groß, dass ich eigentlich alles rausschmeißen müsste hahaha
    aber gut so, so kann ich den Schrank bald mit fairen und „no brainer“ füllen. No brainer im Sinne von, ich hab keine Lust mehr viel nachzudenken was ich anziehe. Am liebsten irgendwas überschmeißen und gut aussehen hahaha

    Ich werde mal weiter auf deinem Blog rumschauen und das soll was heißen, eigentlich bin ich absolut keine Blogleserin!
    Großes Lob an euch beide ;D

    • Vielen lieben Dank für deinen ausführlichen und tollen Kommentar! 🙂 Es ist uns regelrecht eine Ehre, dass wir dich als neue Blogleserin auf subvoyage willkommen heißen dürfen 🙂

      „No brainer“ – ein sehr witziger aber definitiv treffender Begriff, muss ich mir unbedingt merken!

      Ich wünsche dir weiterhin ganz viel Erfolg beim Ausmisten und bin gespannt, was am Ende noch übrig bleiben wird. So oder so – ich bin mir sicher, du wirst dich nach dem Minimieren deiner Kleidung um einiges besser fühlen 🙂

      Ganz liebe Grüße,

      Julia

  8. Sehr cooler Beitrag und tolle vorher/nachher Bilder 🙂 Ich habe das auch vor kurzem gemacht (leider aber nicht fotografiert) und weil es schon beim Kleiderschrank so befreiend war gleich mit der ganzen Wohnung weiter gemacht 🙂
    Wirklich ein unglaublich befreiendes Gefühl wenn überall wieder Platz ist, Staubfänger weg sind und einen unbenutzte Dinge nicht so vorwurfsvoll anschauen.

    Liebe Grüße, Marisa

    • Absolut! Ich bin gerade erst umgezogen, in dem Zuge habe ich abermals einiges aussortiert – tat wirklich total gut! 🙂

  9. Pingback: Stressfrei ins neue Jahr - 5 Vorsätze, die glücklich machen - Madison Coco Blogazine

  10. Hallo Julia,
    super Artikel! Gefällt mir richtig gut-genauso das Design deiner Webseite 😉 Ich miste seit einem Jahr regelmäßig aus. Habe schon zwei volle Müllsäcke an Flüchtlinge gespendet und einen Teil auf dem Flohmarkt verkauft. Nun stehen noch einige Teile in einem Secondhand Laden zum Verkauf. Fühlt sich richtig gut an. Denn mal ehrlich, wer braucht wirklich so viel Zeug?-Ich nicht!
    Liebe Grüße Annika

    • Hallo Annika,

      vielen Dank für deine lieben Worte 🙂

      Finde ich großartig, dass du so viele Klamotten gespendet hast! Das Ausmisten macht mir mittlerweile richtig Spaß. Man kann anderen Menschen damit etwas gutes tun und fühlt sich selbst wie du schon sagst total befreit 🙂

      Ganz liebe Grüße,

      Julia

  11. Ganz toll. Ich befasse mich seit März mit der Capsule Wardrobe (man kleidet sich für den Alltag mit nur ca. 37 Teilen – somit alles Lieblingsteile) und schreibe auf meinem Blog darüber. Gerade gestern habe ich auch einen Blogpost über die Frage: „Braucht man das wirklich alles? Ist Mode überhaupt wichtig für ein erfülltes Leben?“ geschrieben. Aber schlecht angezogen will man auch nicht sein. Also ein ganz spannendes Thema!

    Mit dem Ausmisten selbst hatte ich gar nicht so viele Probleme, ich habe tatsächlich nicht so viele Sachen besessen. Ich will mit der Capsule Wardrobe eher meinen Stil und meine Garderobe so aufbauen, dass ich möglichst effektiv und ohne zu viel Konsum gut angezogen aussehe.

    Viele Grüße,
    Anne

    • Hallo Anne,

      lieben Dank für deinen Kommentar – ich werde mir deinen Artikel auf jeden Fall einmal anschauen 🙂

      Mein Ziel ist es tatsächlich auch die Anzahl der Teile noch weiter zu reduzieren. Da ich mich selbst aber nicht so sehr unter Druck setzen möchte, mache ich das Stück für Stück. So fällt es mir leichter und ist für mich angenehmer. Und wie du schon sagst, ich möchte trotzdem „gut angezogen aussehen“. Das geht selbstverständlich aber auch mit wenigen Teilen.

      Ganz liebe Grüße,

      Julia

  12. Also, ich muss schon zugeben, es fällt mir schwer mich von Dingen zu trennen… Bei Kleidung habe ich mir auch das ein oder andere Mal gedacht, dass der passende Anlass noch kommt

    Lese grade ‚Magic Cleaning‘ von Marie Kondo, wo sich alles um die Frage „Macht die Sache mich Glück?“ dreht… Ausgemistet habe ich auch schon, aber es kommen ja immer wieder Sachen dazu…

    LG

    • Hallo liebe Marina,

      probier einmal Stück für Stück auszusortieren. Muss ja nicht gleich so radikal sein. So fällt es leichter 🙂

      Das Buch habe ich auch schon ins Auge gefasst. Kannst du es denn empfehlen?

      Ganz liebe Grüße,

      Julia

  13. GENAU DAS habe ich noch vor mir!
    Robert und ich teilen uns einen Kleiderschrank, ein Schrank ist zum Hängen, ein anderer zum Legen. Die Bretter will ich alle rausholen und alles nur noch aufhängen. Außerdem soll vieles weg, das ich seit Jahren nicht trage…ich bin gespannt wie es wird!
    LG Jenny

    • Das klingt nach einem guten Plan, Jenny! 🙂 Die Mühe wird sich auf jeden Fall lohnen, es ist wirklich ein tolles Gefühl. Ganz viel Erfolg beim Ausmisten euch beiden!

      Ganz liebe Grüße,

      Julia

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