Mit dem Tandem durch Norddeutschland entlang der Küste

Mit dem Rad von Hamburg nach Kopenhagen – ein Traum. Doch ist das so einfach machbar? Wenn man nur 9 Tage zur Verfügung hat leider nicht. Gar nicht weiter schlimm, denn wir haben eine alternative Route gefunden, die gerade für das erste Vorhaben dieser Art noch viel optimaler ist.

Die Strecke mit dem Rad bis nach Kopenhagen zurückzulegen wäre kein Problem gewesen. Die Fahrradmitnahme im ICE gestaltet sich hingegen sehr schwierig und ohne mit dem Zug von Kopenhagen zurückzufahren wären wir in 9 Tagen nicht ausgekommen.

Norddeutschland, und im speziellen Hamburg, erschien uns jedoch weiterhin als guter Startpunkt. Schnell kam die Idee auf Schleswig-Holstein zu umrunden – einmal die Nord- und Ostsee in Norddeutschland entlang. Meer gehört zum Sommer schließlich irgendwie dazu. Nach einem kurzen Check der Kilometer stand fest: Wir umrunden Schleswig-Holstein!

Die Vorzüge einer Radreise haben wir bereits auf unserer 4-tägigen Mountainbike-Safari in Tansania Anfang des Jahres erfahren dürfen. Neben den Vorzügen gibt es aber auch einen größeren Nachteil, den vermutlich das ein oder andere Pärchen ebenfalls schon einmal durchlebt hat. Yannick, mein Freund, fährt seit über drei Jahren Rennrad und das ziemlich gut. Ich hingehen habe das Radfahren erst nach meinem Umzug nach Ehrenfeld so richtig für mich entdeckt. Mit Radfahren meine ich in diesem Fall mit dem Straßenrad zum Supermarkt und in die Uni fahren.

Ich denke es ist klar, dass das Leistungsniveau zwischen uns beiden eine große Lücke aufweist. Der eine muss ständig warten, die andere strampelt sich dumm und dämlich um nicht den Anschluss zu verlieren – beide sind frustriert. Ganz so schlimm wie sich das jetzt vielleicht anhört war es bisher zum Glück noch nie. Und dennoch haben wir uns gefragt, wie man dem bereits vorab entgegenwirken kann. Ein Tandem! Keiner kann dem anderen davon fahren, beide arbeiten im Team zusammen. Perfekt. Im Münster haben wir bereits einen Tagesausflug mit einem Tandem gemacht, was gut funktioniert hat. Warum also nicht einmal an eine längere Strecke wagen?

Unser Tandem samt Anhänger

Der Entschluss ein Tandem für unsere Radreise zu mieten stand fest. Doch wo kann man solch ein Gefährt in Hamburg über einen längeren Zeitraum zu einem erschwinglichen Preis mieten? Die Suche hat sich einfacher als gedacht gestaltet. Bereits nach kurzer Zeit sind wir auf den Radverleih Hamburg anders erfahren gestoßen. Die Auswahl an Tandems ist gewaltig, auch das für uns passende Modell war dabei.

Tandem-am-Meer

Zwei Telefonate später war alles geklärt und wir konnten unser Tandem an dem von uns gewählten Ort abholen. Da wir mit dem HKX von Münster aus angereist sind, haben wir uns logischerweise für den Hauptbahnhof als Treffpunkt entschieden. Stephan von Hamburg anders erfahren bringt die Räder aber genau so an jeden anderen Ort innerhalb Hamburgs und holt sie dort auch wieder ab – ziemlich praktisch.

Tandem-Detail

Problematisch wurde zunächst das Beladen des Anhängers, den wir zusätzlich gemietet hatten. Um diesen zu befestigen musste der Gepäckträger abmontiert werden, womit weder wir noch Stephan geplant hatten. Nach ein paar Handgriffen war das Problem jedoch gelöst und der Anhänger konnte angebracht werden. Nun mussten nur noch die Gepäcktaschen, die ursprünglich an den Gepäckträger kommen sollten, ebenfalls im Anhänger untergebracht werden. Für jedes Teil hat Yannick schließlich einen perfekten Platz gefunden. Nur wenn es auch tatsächlich an diesem einen Platz war, sind keine Lücken entstanden und wir haben alles unterbekommen. Der Hänger war zwar höher bepackt als geplant, aber immerhin hat doch noch alles hineingepasst. Von Tag zu Tag hat das mit dem Packen besser geklappt.

Achja – der Anhänger ist auf unserer Tour gleich mehrfach während der Fahrt umgekippt. Die bösen Bordsteine waren’s Schuld. Dank des Kugelgelenks ist meistens aber nichts weiter passiert. Aufheben, einhaken, weiterfahren. Einmal ist der Anhänger jedoch so ungünstig gefallen, dass ein kleiner Riss entstanden ist. Ein wirklich netter KFZ-Meister hat uns bei diesem Problem mit einem Schweißgerät weiterhelfen können, sodass einer sicheren Weiterfahrt nichts mehr im Wege stand.

Die einzelnen Etappen in Norddeutschland

An unserem ersten Tag sind wir ganz gemütlich mit dem Zug in Münster losgefahren. Zu gemütlich vielleicht. Um 13 Uhr waren wir in Hamburg, um 15 Uhr saßen wir auf dem Rad. Der Tag war also schon mehr als rum und doch hatten wir noch ein ganzes Stück vor uns. 71,5 Kilometer um genau zu sein. Lübeck war unser erstes Ziel. Am meisten Kraft hat wohl das Stück aus Hamburg heraus gekostet. Sobald Tandem und Anhänger einmal rollen, kommt man trotz des hohen Gewichtes recht gut voran. In einer Großstadt gibt es jedoch viel Tücken und vor allem eins: Ampeln. Ampeln bedeuten ständig neu anfahren zu müssen.

Collage-Etappen

Einmal aus der Stadt raus hat man in Schleswig-Holstein so gut wie freie Fahrt. Je näher wir Richtung Norden fahren, desto weiter scheint die Landschaft um uns herum zu werden. In Lübeck sind wir zwar recht spät angekommen, doch wir haben es noch vor Einbruch der Dunkelheit geschafft.

Die restlichen Tage waren meist entspannter, da wir früher losfahren konnten. Wenn ich von „früher“ spreche meine ich zwischen 9 und 11 Uhr. Wir haben es also recht gemütlich angehen lassen, ist ja schließlich auch Urlaub und kein Wettkampf.

Nachmittags waren wir meistens gegen etwa 16 Uhr, teils auch früher, auf dem Campingplatz. Innerhalb weniger Minuten stand unser Zelt. Nach einer kurzen Pause haben wir uns noch einmal auf’s Rad gesetzt um im nächstgelegenen Supermarkt einzukaufen. Auf unserem Gaskocher haben wir die unterschiedlichsten Nudelgerichte gezaubert. Nur einmal wurde es brenzlig und wir waren in Sorge um unser wohlverdientes Abendessen. Der einzige Supermarkt im Ort machte mittwochs früher zu – und zwar um 12 Uhr mittags. Als ich mich in einem griechischen Restaurant nach dem nächsten offenen Supermarkt erkundigt haben, haben uns die Angestellten sofort ihre Hilfe angeboten und uns mit reichlich frischen Tomaten versorgt. Ein wirklich nette Geste, über die wir uns sehr gefreut haben. Die Hälfte unseres Abendessens war damit gesichert. Den Rest haben wir im 9 Kilometer entfernten Supermarkt einkaufen können.

Ingesamt waren wir 9 Tage unterwegs – 8 davon auf dem Rad. Eigentlich waren es auch 9 Tage auf dem Rad, doch direkt am 2. Tag haben wir mehr oder weniger einen Ruhetag eingelegt und sind mit unserem Tandem lediglich in die Lübecker Innenstadt gefahren. Das zählt wohl nicht so richtig als Etappe. Grund für diese kleine Rast war das Wetter. Es hat leicht genieselt und war recht kühl. Dem Wetterbericht konnten wir entnehmen, dass es die darauffolgenden Tage wesentlich sonniger und somit angenehmer zum Fahren werden sollte. Da wir beide noch nie in Lübeck waren und die Stadt ein wenig kennenlernen wollten, haben wir die Weiterfahrt spontan verschoben.

Unser Plan, den wir uns zuvor sorgfältig erstellt hatten, war somit direkt über den Haufen geworfen. Zum Glück gibt es Smartphones. Alternative Strecken und Campingplätze zu finden war nicht schwer. Wie man auf dem fünften Bild sieht, haben wir ein wenig abgekürzt um zumindest innerhalb der 9 Tage wieder nach Hamburg zurückzukommen. So sahen unsere einzelnen Etappen in Norddeutschland aus:

1. Tag

Startpunkt

Hamburg

Zielpunkt

Lübeck

Kilometer

71,5 km

Zeitaufwand

3:55 h

2. Tag

Startpunkt

Lübeck

Zielpunkt

Lübeck

Kilometer

15 km

Zeitaufwand

0:32 h

3. Tag

Startpunkt

Lübeck

Zielpunkt

Grosenbrode

Kilometer

88,3 km

Zeitaufwand

4:45 h

4. Tag

Startpunkt

Grosenbrode

Zielpunkt

Möltenort

Kilometer

74,2 km

Zeitaufwand

4:08 h

5. Tag

Startpunkt

Möltenort

Zielpunkt

Bockholmwik

Kilometer

78,2 km

Zeitaufwand

4:05 h

6. Tag

Startpunkt

Bockholmwik

Zielpunkt

Husum

Kilometer

69,8 km

Zeitaufwand

3:52 h

7. Tag

Startpunkt

Husum

Zielpunkt

Meldorf

Kilometer

60,1 km

Zeitaufwand

3:07 h

8. Tag

Startpunkt

Meldorf

Zielpunkt

Wedel

Kilometer

98,1 km

Zeitaufwand

5:38 h

9. Tag

Startpunkt

Wedel

Zielpunkt

Hamburg

Kilometer

33,2 km

Zeitaufwand

2:10 h

Yannick hat unsere gesamte Reise mit seinem GPS-fähigen Tacho aufgezeichnet. Die Kilometerangaben stammen daher nicht etwa von Google Maps sondern geben die tatsächlich gefahrene Strecke wieder – inklusive eventuellem Verfahren (kam zum Glück kaum vor). Unter Zeitaufwand ist die reine Fahrzeit zu verstehen, Pausen sind hier noch nicht eingerechnet da diese recht individuell sind. Wir hatten Tage, da konnte man noch einmal gut zwei Stunden für Foto-Stopps oder einen Kaffee im Hofladen am Wegesrand drauf rechnen. Auch hier haben wir das Ganze also wieder recht ruhig angehen lassen.

Erster Halt: Lübeck

Lübeck ist eine unglaublich gemütliche Stadt – wenn ihr versteht was ich meine. Wir haben es genossen – recht planlos – durch die vielen kleinen Gassen und Straßen zu schlendern. Hinter jeder Ecke haben wir wieder neues entdeckt.

Lübeck-Gasse

Unweigerlich kommt man natürlich auch an dem ein oder anderem Hot-Spot der Stadt wie dem hier zu sehendem Holstentor vorbei.

Lübeck-Tor

Wasserflächen machen eine Stadt für mich gleich immer viel interessanter. In Lübeck gibt es davon reichlich. Sei es der Stadtgraben, einer der Teiche und See oder die Trave – Lübeck hat einiges zu bieten für Wasserliebhaber wie mich.

Lübeck-Wasser

Café-Tipp: Da wir am Vortag nicht mehr im Supermarkt waren und dementsprechend nichts zum Frühstücken hatten, haben wir uns entschieden in einem Café in Lübeck zu frühstücken. Entdeckt haben wir das Café Affenbrot – ein vegetarisches Café-Restaurant mit leckeren Speisen, gemütlicher Atmosphäre und einem großen Außenbereich.

Weiter zur Küste

Ich konnte es kaum abwarten endlich wieder Sand zwischen den Zehen zu spüren. Für mich ist es ein Gefühl von völliger Freiheit. Mitten auf unserer zweiten Etappe lag der Timmendorfer Strand. Recht touristisch muss ich sagen, aber Sand gab es dort schon einmal.

Timmendorfer-Strand

4 der Campingplätze auf denen wir übernachtet hatten, haben einen eigenen Strandzugang. Auch wenn wir tagsüber lange auf dem Tandem saßen, abends konnten wir so oft die Füße noch einmal ins Wasser halten und barfuß durch den Sand laufen.

Baum-auf-Boden

Kuh-in-Nebel

Aber auch unsere Routen verliefen immer wieder entlang der Küste. Der starke Wind vom Meer formt die Bäume, sodass sie sich dem Boden anschmiegen. Die Dünen halten den Nebel dicht zusammen. Waren wir kurz zuvor noch am warmen und belebten Strand, fühlen wir uns kurz darauf wie in einer fernen einsamen Märchenwelt. Der immer wieder schnelle Wandel der Landschaft ist beeindruckend.

Die Sache mit den Radwegen

Ich organisiere und plane gerne, lege für alle möglichen Dinge Listen an. Beim Reisen ist das mittlerweile oft anders. Meist verschaffe ich mir einen groben Überblick und packe auch den Reiseführer für den Fall der Fälle in den Koffer. Die Reise selbst gestalte ich meist aber doch lieber spontan und lasse mir dadurch große Freiräume. Ich setze mich nicht unter Druck dies oder jenes gesehen haben zu müssen, sondern nehme mir lieber die Zeit um mich an den kleinen Dingen und vielen schönen einzigartigen Momenten zu erfreuen.

Tandem-Trampelpfad-Yachthafen

So ganz ohne Planung funktioniert es dann aber doch nicht dachten wir uns. Eine Liste mit Campingplätzen samt Telefonnummern kam daher mit. Letztendlich diente sie eher dem guten Gewissen, gebraucht haben wir sie nämlich nicht wirklich. Anfangs haben wir etwa 2 Stunden vor Ankunft bei dem jeweiligen Campingplatz angerufen und uns nach einem freien Platz erkundigt, es waren schließlich noch Schulferien. Nach den ersten Tagen haben wir gemerkt, dass es meist reichlich Platz gab und haben uns die Anrufe dann irgendwann gespart.

Doch wie kommt man nun ohne Irrwege von A nach B? Ganz einfach: Mit Hilfe von Google Maps. Das hat erstaunlich gut funktioniert. Meist hatten wir mehrere Routen zur Auswahl und haben uns dann für die mit der schönsten Strecke – entlang eines Sees oder des Meers – entschieden. Neben der Kilometerangabe erhält man praktischerweise auch gleich ein Höhenprofil, das bei einem Rad diesen Gewichtes auch bei geringer Höhenmeterzahl nicht unentscheidend ist.

Schiff-bei-Trampelpfad

Ab und an ist es vorgekommen, dass Google Maps einen matschigen Trampelpfad zum Radweg erklärt hat. Mit einem Mountainbike sicherlich einfach zu meistern, mit dem Tandem samt Anhänger teils aber doch ein wenig knifflig. Die nicht ganz so optimalen Radwege haben meist Aussichten wie diese wettgemacht. Innerhalb der 9 Tagen ist das dreimal vorgekommen, stecken geblieben sind wir nie.

Mittagspause am See

Nach dem Frühstück haben wir meist noch einmal die Strecke auf dem Smartphone überprüft und geschaut, ob es nach entsprechender Kilometerzahl eine auf den ersten Blick gute Stelle für eine Mittagspause gibt. Wir haben uns dabei an Seen, Wäldern oder Meereszugängen orientiert.

Steg-im-See

Den wohl schönsten Rastplatz, den wir entdeckt haben, ist der Selenter See auf dem Weg nach Möltenort (bei Kiel). Er ist sage und schreibe 21,37 km² groß. Dass wir uns in Deutschland, nur einige Kilometer von zu Hause entfernt, befunden haben, haben wir dort schnell vergessen.

Seeufer

Bei uns in NRW wäre solch ein idyllischer See wohl vollkommen überlaufen – gerade in der Ferienzeit. In Norddeutschland müssen wir ihn uns lediglich mit zwei Familien, die ebenfalls ein Päuschen eingelegt haben, teilen.

Mit dem Tandem auf die Fähre

Wie bereits erwähnt ist das Fahren mit dem Tandem durch größere Städte nicht ganz so spaßig. Da wir aufgrund des Ruhetages einige Kilometer aufholen mussten, haben wir uns dagegen entschieden nach Kiel reinzufahren und stattdessen ein ganz kleines Stück mit der Fähre abzukürzen.

Kiel-Hafen-Steg

Mehrfach täglich steuert die Fördefährlinie in der Kieler Bucht die verschiedenen Stationen an. 5 Minuten von unserem Campingplatz in Möltenort entfernt gab es solch eine Station. Unser Ziel war gleich die nächste Station auf der anderen Seit der Bucht – Friedrichsort.

Kiel-Fähre

So einfach, wie wir uns das vorgestellt haben, ging das Ganze dann doch nicht. Der Website konnten wir entnehmen, dass eine Fahrradmitnahme problemlos möglich ist. Tandems zählen wohl leider nicht zu diesen Fahrrädern. Obwohl die (sehr große) Fähre beinahe komplett leer war, sagte man uns, dass Tandems normalerweise nicht mitgenommen werden. Für uns wurde eine Ausnahme gemacht und wir konnten – nachdem wir drei Radtickets gekauft haben – übersetzen.

Kleiner Abstecher nach Flensburg

Flensburg war nach Lübeck eine weitere Stadt, die wir uns genauer anschauen wollten. Da Yannick ein wenig gekränkelt hat, haben wir uns entschieden zunächst die 13 Kilometer von unserem Campingplatz in die Flensburger Innenstadt zu fahren und dort eine großzügig Frühstückspause einzulegen und erst danach wesentlich entspannter weiterzufahren.

Flensburg-Hafen-Küste

Flensburg-Hafen-Schiff

Gerade der Hafen von Flensburg hat es mir absolut angetan. Das Wasser schlägt kleine Wellen, in denen sich die bunten Häuser am Ufer spiegeln. Die Stadt scheint am Morgen noch ein wenig verschlafen. Gemütlich lasse ich die Beine am Hafenbecken baumeln, hier hätte ich ewig sitzen können.

Flensburg-Hafen

Café-Tipp: Unsere Pause samt großzügigem Frühstück haben wir im Café Barista in der Innenstadt eingelegt. Es gibt eine große vegetarische Auswahl zu fairen Preisen und sonntags sogar einen großen Brunch.

Die Weite genießen

Immer wieder fahren wir durch kleine Städtchen, in denen die Leute die Köpfe verdrehen und uns zu rufen „Das ist ja cool!“. Mit so einem Tandem fällt man eben auf.

Feld-von-oben

Viel mehr genießen wir jedoch die Strecken zwischen den Städten – hier scheint die Weite unendlich zu sein. Soweit das Auge reicht nichts als Felder und Bäume. Links zwischen der Baumallee verläuft eine Straße, auf der wir lange gefahren sind. Meist sind die Straßen nur wenig befahren. Oft fahren wir zwischen den Feldern, nur ab und an auch einmal an einer Bundesstraße.

Da ich auf dem Tandem hinten sitze, sehe ich vor mir außer Yannicks Rucksack nicht viel. Dafür ist der Blick nach rechts und links jeweils um so schöner. Die Sonne wärmt die Haut, der Fahrtwind erfrischt zugleich. Ich könnte mir kaum etwas schöneres vorstellen.

Zwischen den Schafen

Unsere 8. Etappe – von Meldorf nach Wedel – war mit 98 Kilometern die längste und somit anstrengendste, zugleich aber auch eine der schönsten. Immer wieder sind wir entlang der Elbe gefahren. Die Mittagspause haben wir mitten auf diesem Damm zwischen einer Herde Schafe gemacht. Glücklicherweise haben wir unsere beiden kleinen Dreibeinhocker beim Packen immer ganz oben auf all das andere Zeug gelegt, sodass wir schnell an sie herangekommen sind und stets eine Sitzmöglichkeit hatten – kann ich nur empfehlen! Das Betreten der Schafswiese ist übrigens ausdrücklich erlaubt.

Schafe-aufm-Damm

Leuchtturm

Auf dem Deich sind wir den Schafen zum ersten Mal so richtig nah gekommen. Da wussten wir  noch nicht, dass unser Weg uns mitten durch viele weitere Schafsherden führen wird. So lange man auf dem Rad sitzt, heben die Tiere nicht einmal ihre Köpfe wenn man an ihnen vorbeifährt. Steigt man ab und legt einen kurzen Stop ein, laufen die Schafe freudig mähend auf einen zu und schnuppern interessiert.

Schafe-auf-Radweg

Schaf-auf-Damm

Schaf-schaut-in-Kamera

8 Campingplätze Norddeutschlands im Vergleich

1. Stop: Lübeck

Die erste Nacht unter freiem Himmel. Das erste Mal die Isomatte ausrollen und in den Schlafsack schlüpfen. Ein tolles Gefühl. Dass wir an unserem ersten Reisetag recht spät am Campingplatz angekommen sind, war kein Problem da die Rezeption bis 22 Uhr geöffnet hat. Unseren Zeltplatz konnten wir auf einer großzügigen Wiese frei wählen.

Lübeck-Wasser

Pluspunkt

Kostenlos kann ein Gasherd mit vier Flammen genutzt werden. Die Rezeption hat bis 22 Uhr geöffnet und auf Nachfrage konnte ich mir dort einen Föhn ausleihen. Direkt hinter dem Zaun des Campingplatzes befindet sich ein kleiner See.

Minuspunkt

Der Campingplatz liegt bereits innerhalb der Stadtgrenzen Lübecks – je nach Wind hört man selbst nachts Straßenlärm. Aufgrund längeren Regens war die Zufahrt zur Zeltwiese sehr matschig – bei Sonnenschein sicherlich nicht der Fall.

Kosten

Platz: 15 Euro für 2 Pers. inkl. Zelt
Dusche: 50 Cent für 5 Minuten

Adresse

Steinrader Damm 12, 23556 Lübeck
camping-luebeck.de

2. Stop: Großenbrode (bei Fehmarn)

Die Zeltwiese auf dem Campingplatz Strandparadies in Großenbrode ist zwar recht klein, jedoch völlig ausreichend. Wir haben sie uns mit zwei weiteren Zelten teilen müssen. Sie liegt direkt an der Rückseite des Waschhauses. Etwaigen Lärm aus dem Waschhaus bekommt man hier nicht mit und dennoch ist es nicht weit zur Toilette oder Dusche – perfekt also. In Großenbrode sind wir um 5:30 Uhr aufgestanden um der Sonne beim Auftauchen aus dem Meer zu zuschauen. Das frühe Aufstehen hat sich definitiv gelohnt!

Zelt-auf-Campingplatz

Sonnenaufgang-Campingplatz

Frühstück-bei-Sonnenaufgang

Sonnenaufgang-Steg

Pluspunkt

Der Campingplatz liegt 2 Minuten entfernt vom Meer. Am großzügigen Sandstrand kann man besonders gut dem Sonnenaufgang zuschauen. An der angrenzenden Strandpromenade können Kleinigkeiten, wie Brötchen zum Frühstück, eingekaufen werden. Die Waschräume sind sehr gepflegt.

Minuspunkt

Es gibt keine Kochmöglichkeit und die Duschen werden ab 22 Uhr zugeschlossen.

Kosten

Platz: 16 Euro für 2 Pers. inkl. Zelt
Dusche: 50 Cent für 10 Minuten

Adresse

Südstrand 3, 23775 Großenbrode
camping-strandparadies-grossenbrode.de

3. Stop: Möltenort (bei Kiel)

Der 4. Tag war gefühlt der heißeste. Unser Zelt mussten wir in der prallen Sonne aufbauen. Bevor wir das jedoch machen konnten, mussten wir eine steile Abfahrt zum Campingplatz hinunter fahren, die unsere spätere Fahrt zum Supermarkt nicht gerade einfach gestaltet hat. Nach einem Fußbad in der Ostsee und einem Eis ließ sich das warme Wetter wieder genießen. Zum ersten, und auch letzten, Mal gab es auf der Zeltwiese keine freie Platzwahl. Den Campingplatz haben wir mit gemischten Gefühlen verlassen, wiederkehren werden wir wohl nicht.

Sonnenuntergang-Möltenort

Strand-Möltenort

Pluspunkt

Es gibt einen schmalen campingeigenen Strandabschnitt. An die Rezeption ist ein kleines Lebensmittelgeschäft angeschlossen, in dem man sich morgens Brötchen samt Aufschnitt oder auch Obst kaufen kann.

Minuspunkt

Das Gras unserers Zeltplatzes war abgetragen und wir mussten unser Zelt daher im Dreck aufbauen. In die Waschräume kommt man nur mit einem Chip (den man schon einmal schnell vergisst). Die Kochmöglichkeit ist kostenpflichtig. Wir wurden zugestellt mit Wohnwagen und anderen Campern. Verhältnismäßig ist der Platz teuer. Dieser Campingplatz ist tatsächlich der einzige, den wir wohl nicht noch einmal besuchen würden.

Kosten

Platz: 25 Euro für 2 Pers. inkl. Zelt und Strom
Dusche: 50 Cent für 10 Minuten

Adresse

Uferweg 24, 24226 Heikendorf
campingplatz-möltenort.de

4. Stop: Bockholwik (bei Flensburg)

Die Zufahrt zum Campingplatz ist recht hügelig und wir hatten schwere Beine als wir in Bockholwick ankamen. Umso erleichterter waren wir als wir einen ersten Blick auf die Zeltwiese geworfen haben. Die Aussicht war ein Traum! Auch hier hatten wir wieder freie Platzwahl und haben unser Zelt direkt vor dem Abhang unter einem großen Baum aufgestellt. Vom Inneren des Zeltes konnten wir über das Meer bis nach Dänemark schauen.

Auf dem Campingplatz gibt es eine Gaststätte und einen kleinen Kiosk, beides haben wir uns jedoch nicht näher angeschaut. Es waren deutlich mehr Kinder auf diesem Platz als auf den vorherigen Campingplätzen.

Espressokocher

Blick-ausm-Zelt-aufs-Meer

Cmapingplatz-Meerblick

Steine-im-Wasser

Steine-Meer-Sonnenuntergang

Steine-Sonnenuntergang

Pluspunkt

Die Aussicht ist atemberaubend. Es gibt mehrere großzügige Zeltwiesen und kostenlose Dusche sowie Kochmöglichkeiten. Auf der Zeltwiese gibt es Tische samt Bänken – perfekt zum Essen. Der eigene Strandabschnitt und das freundliches Personal runden alles ab. Unser Platz 1!

Minuspunkt

Mein Duschabfluss war ein wenig verstopft – wohl eher bloß ein temporäres Problem.

Kosten

Platz: 15,50 Euro für 2 Pers. inkl. Zelt
Dusche: Kostenlos

Adresse

Bockholmwik 19, 24960 Bockholmwik
foerde-camping.de

5. Stop: Husum

Auf den ersten Blick wirkt der Campingplatz Seeblick in Husum ein wenig ungemütlich, da Zelte und Wohnmobile kreuz und quer stehen. Der abendliche Spaziergang entlang der Nordsee und über den an den Campingplatz angrenzende Steg machen das wieder wett.

Neben dem Aufenthaltsraum samt Fernseher und Billardtisch bieten die Platzbetreiber auch weitere Freizeitbeschäftigungen wie etwa Wattwanderungen und gemeinsame Grillabende an. Direkt neben dem Campingplatz befindet sich ein Freibad – für Wasserliebhaber perfekt, ansonsten ein wenig laut tagsüber.

Treppe-Watt-Sonneuntergang

Watt-Geländer

Watt-Sonnenuntergang

Watt-Treppe

Pluspunkt

Über einen langen Steg gelangt man in die Nordsee. Es gibt kostenlose Duschen und Kochmöglichkeiten. Ein Imbiss sowie ein kleiner campingeigener Supermarkt sorgen für das leibliche Wohl. Ein weiterer Bio-Supermarkt ist fußläufig zu erreichen und hat selbst sonntags geöffnet, da Husum ein Kurort ist.

Minuspunkt

Die Zelte, sowie einige Wohnmobile, finden rechts und links vom Hauptweg ihren Platz – ein wenig ungemütlich.

Kosten

Platz: 17 Euro für 2 Pers. inkl. Zelt
Dusche: Kostenlos

Adresse

Nordseestrasse 39, 25813 Husum
camping-seeblick.de

6. Stop: Meldorf

Als wir auf dem Campingplatz in Meldorf ankamen, waren wir zunächst ein wenig überrascht. Vermutlich war dieser Platz einmal ein Bauernhof, um dessen ehemaliges Hauptgebäude einige großzügige Wiesen liegen. Auch das hat durchaus seinen Charme – neben ein paar verlassenen Wohnwagen und einem weiteren zeltendem Pärchen waren wir alleine auf dem Campingplatz. Leider wurde die Platzpflege an einigen Stellen, vermutlich aufgrund der fehlenden Gäste, ein wenig vernachlässigt. Bilder gibt es leider keine vom Platz. Das Foto von unserem Tandem ist während einer unserer Mittagspausen am Strand entstanden.

Tandem-am-Meer

Pluspunkt

Man hat reichlich Platz und Ruhe. Umgeben ist das Gelände von alten Bäumen. Der Platzpreis ist unschlagbar günstig!

Minuspunkt

Es gibt keine Kochmöglichkeiten und die Duschen sind verhältnismäßig zu teuer. Der Campingplatz ist doch abgeschiedener als erwartet. Teils wird die Platzpflege vernachlässigt (viele Polen im Außenwaschbecken, verdreckter Strandkorb).

Kosten

Platz: 11 Euro für 2 Pers. inkl. Zelt
Dusche: 1 Euro für 5 Minuten

Adresse

Stinteck 4, 25704 Nordermeldorf
kueste.de/meldorf/camping/

7. Stop: Wedel (bei Hamburg)

Der gesamte Campingplatz in Wedel wurde auf einem Abschnitt des Elbstrands errichtet. Wohnwagen werden hier mit einem Traktor an ihren Platz gezogen. Abends knistern gleich mehrere Lagerfeuer – Holzscheite kann man an der Rezeption kaufen. Der Campingplatz Elbcamp unterscheidet sich durch sein ganzheitliches Konzept von den anderen uns besuchten Campingplätzen deutlich. Gerne würde ich mehr Fotos zeigen, doch wir waren so überwältigt und haben unsere Zeit dort einfach genossen, dass wir glatt vergessen haben Fotos mit der Kamera zu machen. Einen Schnappschuss vom Elbufer gibt es aber doch.

Elbstrand-Sonnenuntergang

Pluspunkt

Es gibt ein breites Freizeitangebot (z.B. ein Café). Die Camper sind durchschnittlich jünger, vermutlich gerade weil der Platz so kinderfreundlich ist. Der eigne Strandabschnitt ist traumhaft und die Duschen sind kostenlos. Alles in allem ein sehr außergewöhnlicher Campingplatz, auf dem wir gerne wieder übernachten!

Minuspunkt

Für manch einen mag der Sand ein Kritikpunkt sein, da er sich schnell überall befindet – für uns hat er den besonderen Charme des Campingplatzes ausgemacht.

Kosten

Platz: 18,90 Euro für 2 Pers. inkl. Zelt
Dusche: Kostenlos

Adresse

Falkensteiner Ufer 101, 22587 Hamburg
elbecamp.de


Hast du selber auch schon einmal eine Radreise gemacht? Welche Erfahrungen hast du dabei gesammelt? Oder planst du vielleicht gerade deine erste Tour mit dem Rad und hast noch Fragen? Stell sie mir gerne in den Kommentaren 🙂

6 Kommentare

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  2. Liebe Julia, nun sitze ich bei rund 30° in Mataram auf Lombok, und komme endlich dazu, Deinen Reisebericht ueber die Tandemfahrt zu lesen. Was fuer eine Freude! Wo ich doch sonst kaum Gelegenheit habe, etwas ueber das Schicksal meiner Kunden zu erfahren…
    Ich wuensche Dir weiterhin viel Freude und Erfolg auf Deinem weiteren Weg, moege die Zeit mit Dir sein! Stefan, hamburg Anders erfahren

    • Hallo lieber Stefan,

      wow, 30 Grad und Indonesien – das klingt toll!

      Freut mich, dass du nun noch einen kleinen Einblick in unsere Reise bekommen konntest und vielen Dank dass du sie erst möglich gemacht hast! 🙂 Vielleicht sieht man sich bald noch einmal, die Tandem-Tour war sicherlich nicht unsere letzte Radreise.

      Wünsche dir eine tolle Zeit in Asien!

      Ganz liebe Grüße,

      Julia

  3. Sehr schöner Bericht und traumhaft schöne Bilder.
    Wir haben im August eine Tour durch Griechenland und Italien gemacht. Allerdings mit unserem Bus. Wir haben gezeltet wo wir wollten und einfach die Freiheit genossen.
    So eine Tandem-Tour würde mich aber auch reizen.

    • Hallo Rebecca,

      oh wie schön – Italien und Griechenland reizen mich auch mal wieder.

      Wir hatten zu Beginn in Erwägung gezogen durch Südfrankreich mit dem Tandem zu fahren. Bei den Temperaturen dort im Sommer wäre das vermutlich jedoch nicht ganz so entspannt wie in Norddeutschland geworden Wir hatten in Deutschland bestes Wetter und die perfekten Temperaturen für´s Radfahren. Das unbedingt beachten wenn du eine Radreise planst.

      Ganz liebe Grüße,

      Julia

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