Mountainbiken in der Wildnis Afrikas – ein Interview mit Jan Schulte

Im Dezember bin ich mit dem Mountainbike rund um den Kilimandscharo gefahren. Mein wohl größtes Abenteuer. Ich durfte viele tolle Orte entdecken, habe spannende Dinge erlebt und bin dabei körperlich an meine Grenzen gegangen.

Solch eine Tour bedarf vor allem eins: eine gute Planung. An so vieles muss gedacht werden, so vieles muss im Vorfeld geregelt werden. Doch mit all dem hatte ich nichts am Hut. Jan von „Tansania erfahren“ hat die komplette Planung übernommen.

Jan-frontal-Bike-Tansania-erfahren

Von Beginn an fühlte ich mich gut aufgehoben. Während der gesamten Planung wurden meine Wünsche und Bedürfnisse beachtet. Meine Erwartungen an die Tour wurden in Tansania noch übertroffen.

Einen Anbieter wie „Tansania erfahren“ gibt es so kein zweites Mal. Im Interview erzählt der Gründer Jan Schulte mehr über sein junges Unternehmen:

Wann warst du das erste Mal in Tansania? Wie waren deine Eindrücke damals?

„Vor 17 Jahren war meine Schwester bei dem Hilfsprojekt „Light of Africa“ in Tansania aktiv und hat in einem Kinderheim gearbeitet. 2008 bin ich dann das erste Mal mit ihr gemeinsam nach Tansania gereist.

Afrika-Mountainbiken-Tansania-erfahren

Ich habe mir alles viel einfacher vorgestellt. Es hat mich überrascht, dass es bereits so viele Teerstraße gibt. Klar, die Infrastruktur ist definitiv nicht gut, aber sie ist vorhanden. Es war das erste Mal in Afrika für mich und ich hatte ein Bild wilder Natur vor Augen. Meine Erwartungen waren also völlig andere, als das was ich vorgefunden habe. Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass der Tourismus-Bereich hier so groß ist.“

Seit wann fährst du Rad? Wie bist du schließlich zum Radtourismus gekommen?

„Ich weiß gar nicht mehr genau, wann ich mit dem Radfahren begonnen habe. Auf jeden Fall noch zu Schülerradrennen-Zeiten. Ich bin in verschiedenen Vereinen gefahren. 4 Jahre lang bin ich sogar ausschließlich Rennrad-Rennen gefahren. Auf Dauer reichen die Preisgelder jedoch nicht aus um sich sein Leben zu finanzieren. So habe ich dann meine Ausbildung zum Zweirad-Mechaniker begonnen und bin die Rennen nur noch nebenbei gefahren.

Als ich das erste Mal in Tansania war, habe ich sofort geschaut was man dort mit Fahrrädern machen könnte. Auf einem Ausflug habe ich damals meinen mittlerweile guten Freund Ake getroffen. Er hat zu dem Zeitpunkt damit begonnen Mountainbike-Touren zu organisieren und suchte noch einen Mechaniker. So fing ich an für seine Firma „Summits Africa“ zu arbeiten.“

Wie kam es dann zum Entschluss der Selbstständigkeit?

„In den 2,5 Jahren bei „Summits Africa“ bin ich vom Mechaniker zum Organisator aufgestiegen, das lag mir. Doch so ein Job ist einem Land wie Tansania auch sehr nervenaufreibend. Ich brauchte eine Pause und nahm mir eine Auszeit in Deutschland.

Jan-Reperatur-Bike-Tansania-erfahren

Während ich in Deutschland war zerstörte ein Sturm unser Camp. Die Firma benötigte viele Geld um dieses wieder neu aufzubauen und bekam Probleme Gehälter weiter zu bezahlen. So endete meine Beschäftigung bei „Summit Africa“ eher unfreiwillig.

Schnell entstand die Idee, etwas Eigenes aufzubauen. Im April 2013 habe ich „Tansania erfahren“ gegründet. Zunächst als eingetragene Firma in Deutschland.“

Hast du ein festes Team und deine eigene Ausrüstung?

„Das Team, das sind mein Computer und ich. Momentan ist „Tansania erfahren“ noch ein 1-Mann-Unternehmen. Manche Anfragen sind aufwendiger zu beantworten, gerade wenn die Route neu geplant werden muss und ich nicht auf mein vorhandenes Repertoire zurückgreifen kann. Wenn diese Anfragen mit der Zeit zunehmen, wird es wohl auch noch weitere Angestellte geben.

Bei den Guides ist es so, dass diese im Prinzip Selbstständige sind. Da habe ich spezielle, die ich öfter einsetze. Der Kontakt entsteht gewöhnlich über „Summits Africa“.

Fährräder besitze ich mittlerweile ein paar eigene. Die restliche Ausrüstung wie Zelte, Autos und all so etwas miete ich ebenfalls über „Summits Africa“. Hier besteht momentan also noch eine enge Kooperation.“

Was unterscheidet „Tansania erfahren“ von anderen Anbietern?

„Ich bin kein klassischer Safari-Anbieter. Ich stelle ein Nischenprodukt bereit: Biken in Tansania. In Zukunft möchte ich auch Reit-Safaris und Paragliding anbieten. Also wirklich die absoluten Nischen.

Jan-Natur-Mountainbike-Tansania-erfahren

Die Konkurrenz dabei ist gleich Null. Ich kenne keinen Anbieter von Radtouren oder Mixed-Adventure-Safaris, der selbstständig auch vor Ort in Tansania aktiv ist. In der Regel werden fertige Pakete an Reisebüros verkauft. Die Touren von „Tansania erfahren“ sind hingegen individuell abgestimmt.“

Was macht das Radfahren in Tansania aus?

„Die Landschaft in Tansania ist sehr abwechslungsreich. Schon als ich das erste Mal hier war habe ich gedacht: es ist mit Sicherheit spannend in Tansania Rad zu fahren. Gerade wenn man zu Hause viel Rad fährt, ist das hier ein richtiges Abenteuer.

Das Hauptaugenmerk liegt für mich, auch auf den Touren die ich anbiete, auf den wilden Tieren. Du begegnest hier Elefanten, Giraffen und Zebras aus nächster Nähe in freier Wildbahn. Und das auf dem Rad.

Mountanbiker-in-den-Bergen-Tansania-erfahren

Der Norden um den Kilimandscharo ist besonders attraktiv für Radtouren. Hier bekommt man viel zu sehen. Das Klima eignet sich dort auch besser für solch einen Sport als das in tieferen Regionen.“

Bist du bei den Touren immer selbst mit dabei?

„Wenn ich in Tansania bin, dann bin bei den Touren dabei. Am liebsten auf dem Rad. So kann ich den Ablauf beeinflussen und bei Problemen reagieren. Einmal konnte ich bei einem Trip nicht dabei sein, da ich zu der Zeit in Deutschland war. Das war kein gutes Gefühl.

Es ist dir wichtig deinen Gästen die Kultur Afrikas näher zu bringen. Schließlich steht auf einigen deiner Touren eine Nacht im Massai-Dorf auf dem Programm.

Es gibt in Tansania über 100 verschiedene Stämme. Die Massai sind wohl der bekannteste. Das Massai-Dorf Olpopongi ermöglicht Außenstehenden einen Einblick in den Alltag der ehemaligen Nomaden zu erlangen. Ein kleines Museum erzählt zudem mehr über ihre Kultur und Traditionen.

Biker-am-Wasser-Afrika-Tansania-erfahren

Es ist schwierig in der kurzen Zeit, die man als Reisender in Tansania hat, die gesamte Bandbreite der Kultur des Landes kennenzulernen. Daher konzertiere ich mich auf diese prägnanten Aspekte.“

Was bedeutet nachhaltiger Tourismus für dich?

„Wo gehobelt wird, fallen Späne. Man kann eine Fernreise nicht machen, ohne Spuren zu hinterlassen. Der Begriff als solches ist für mich daher ein wenig schwierig. Viele Firmen benutzen diesen aus Marketing-Gründen. Man muss stets fragen, was tatsächlich dahinter steckt.

Für mich bedeutet nachhaltiger Tourismus, das Beste aus der Situation zu machen. Meine Angestellten bezahle ich fair. Und auch wenn sie krank werden kümmere ich mich um sie. Sie sind zwar eigentlich Selbstständige, aber sobald sie für mich auf einer Tour arbeiten, bin ich für diesen Zeitraum ihr Arbeitgeber. Ich bin verantwortlich für sie, sorge für sämtliche Transfers und dass sie ordentliche Unterkünfte und ausreichend Essen bekommen. Viele andere Firmen machen das hier nicht.

Jan-Mountainbiker-Tansania-erfahren

Ein Fahrrad-Guide bekommt bei mir 50.000 Schilling pro Tag. Umgerechnet sind das 25 Euro Tagesgehalt. Das klingt erstmal wenig. In Tansania liegt das Durchschnittsgehalt jedoch bei 250.000 Schilling pro Monat.

Ein Kilimandscharo-Guide bekommt etwa 35.000 Schilling pro Tag. Die Arbeit dort gestaltet sich jedoch auch ein wenig anders. Genau so gibt es Firmen, die den Guides nur 15.000 Schilling zahlen. Und den Trägern 5.000. Das sind gerade einmal 2,50 Euro pro Tag für eine harte Arbeit.

Eine Ausbildung zum Bike-Guide gibt es hier nicht. Doch wenn sich die Guides fortbilden und Erfahrung gesammelt haben, erhöhe ich ihr Gehalt. Einer meiner Guides besucht nun die Wildlife-School. Dort erlangt er umfangreiche Kenntnisse über Tiere und Pflanzen.

Das Problem in Tansania ist, dass die Firmen das Trinkgeld mit ins Gehalt einrechnen und so dann die geringen Tagessätze rechtfertigen. Je nachdem für welche Firma die Guides arbeiten erhalten sie auch ein hohes Trinkgeld und leben quasi ausschließlich von diesem, könnten sich damit sogar Autos und weiteren Luxus leisten. Doch ich finde diesen Weg falsch. Zahlreiche Unternehmen legen bei Kilimandscharo-Trips ein Trinkgeld von 300 $ pro Person fest. Ein Trinkgeld sollte freiwillig sein und die Höhe nach der eigenen Zufriedenheit festgelegt werden. Damit das möglich ist, müssen die Guides einen angemessenen Lohn erhalten.

Gerne würde ich meinen Angestellten ein höheres Gehalt zahlen. Zurzeit ist das jedoch nicht realistisch. Ich müsste den Preis für die Trips erhöhen. Und dann würden die Leute diese nicht mehr buchen. Deutschland ist leider ein Discounter-Markt was das angeht. Da muss ein Wandel stattfinden.“

Mittlerweile gibt es Organisationen, die sich für die Rechte der Träger und Guides einsetzen. Wie gehen diese vor?

„Die Träger sind die ärmsten, die im Kilimandscharo-Business arbeiten. Oft werden sie schlecht bezahlt, schlafen in schlechten Unterkünften und bekommen nicht ausreichend Essen. Die Rate an Trägern, die krank werden, ist hoch. Einige sterben sogar auf dem Kilimandscharo. So etwas kommt für gewöhnlich nie ans Tageslicht.

Radtouren-Afrika-Landschaft-Tansania-erfahren

Die non-profit Organisation KPAP setzen sich für die Rechte der Träger ein und kontrollieren die Arbeitsbedingungen. Sie haben eigene Träger, die sie auf Trips schicken. Anschließend erhalten sie ein Feedback. Dieses wird veröffentlicht. Bei etwaigen Problemen wird Kontakt mit der jeweiligen Firma aufgenommen um nach einer Lösung zu suchen.

Zahlreichen Unternehmen hier ist KPAP natürlich ein Dorn im Auge. ZARA-Tours ist der korrupteste Anbieter in der Branche und zahlt seinen Angestellten einen Hungerslohn. Und dennoch buchen die meisten deutschen Touristen über ZARA-Tours. Es gibt ein Video von Private Expedition, das die aktuelle Situation ganz gut wiedergibt. Darin wird über die einzelnen Anbieter und KPAP gesprochen.“

Du arbeitest in Tansania und bist schon lange nicht mehr bloß Reisender. Was sind die größten Schwierigkeiten, die einem in solch einem Land als Geschäftsmann erwarten?

„Das schwierigste sind wohl die gesetzlichen Änderungen, die quasi von heute auf Morgen in Kraft treten. Früher musste man beispielsweise auf Kilimandscharo-Touren keine Steuern zahlen. Doch dann wurde entschieden, dass auch auf Bergtouren im Folgemonat eine Steuer von 18 % anfallen wird. Die meisten Touren, die man zu dem Zeitpunkt verkauft hat, liegen natürlich noch weit in der Zukunft. Die Rechnungen sind aber selbstverständlich schon verschickt. Da kann man dann nicht mal eben 18 % mehr verlangen. Auf den Kosten bleibt man sitzen.

Ähnlich ist es mit den Wildlife-Management-Areas. Das sind Gebiete, die als besonders schön gelten und die viele Touristen durchqueren. Am Rand eines solchen Gebietes gibt es ein Tor. Um nun dort durchfahren zu können, muss man als Tourist Eintritt zahlen. Diese Tore sprießen förmlich aus dem Boden. Hat man eine Tour geplant, so kann man also nicht sicher sein ob auf dem Weg nicht doch noch ein neues Tor errichtet wurde. Das sind erneut Zusatzkosten, die man von seinem Gewinn abziehen muss.

Jan-seitlich-Bike-Tansania-erfahren

Ein Low-Budget-Tourismus ist aufgrund dieser Kosten in Tansania gar nicht möglich. Auch Autos sind hier viel teurer als sie es in anderen Ländern sind. Eigentlich hätte ich gerne auf den Trips immer noch ein weiteres Begleitfahrzeug dabei. Doch das würde die Kosten sprengen.

Man kann sich über fixe Kosten wie Eintrittspreise ganz gut im Netz informieren. Zieht man diese von den Trip-Preisen ab, so bekommt man ein Bild davon wie viel für Angestellte etc. noch übrig bleibt. Da wird schnell klar, dass zahlreiche Firmen Hungerslöhne zahlen. Auch Korruption ist hier ein großes Thema.“

Tansania erfahren steht noch am Anfang. Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

„Zurzeit existiert „Tansania erfahren“ als Firma in Deutschland. Langfristig möchte ich mir mein eigenes Office und Team in Tansania aufbauen. Die Kooperation mit „Summits Africa“ funktioniert meistens ganz gut. Probleme gibt es natürlich immer mal. Auf Dauer möchte ich mir diesen Umweg daher ersparen. Vielen dieser Guides fehlt nämlich auch das Verständnis für eine Radtour, da sie gewöhnlich auf den Kilimandscharo steigen.

Jan-Reperatur-Kinder-Bike-Tansania-erfahren

Im Februar und März werde ich auf Messen des ADFCs in Frankfurt und Bonn mit einem eigenen Stand vertreten sein. Eine weitere Radreisemesse in Freiburg steht vom 6. – 8. März in Freiburg auf dem Plan. Dort möchte ich den Menschen die Idee vom Radtourismus in Tansania näher bringen.

Ein weiteres großes Projekt ist die Website. Da werde ich einiges überarbeiten. Bald wird es auch eine englische und französische Version geben um die Reichweite zu erhöhen.“

2 Kommentare

    • Liebe Tammi,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Freut mich, dass dir der Beitrag gefällt und du Jan noch ein wenig besser kennenlernen konntest 🙂

      Ganz liebe Grüße,

      Julia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.