Wer bist du denn? Lerne deine Nachbarschaft durch nebenan.de kennen

Auf dem Weg zum Bäcker am Sonntag Morgen grüßt Herr Schmitz aus der Nachbarstraße freundlich. Man kennt sich. Lachend wird auf den Hofflohmarkt am vergangen Wochenende zurückgeblickt. Da kam die gesamte Nachbarschaft zusammen. Klingt nach einem Leben auf dem Land? Wo jeder jeden kennt? Die Plattform nebenan.de vernetzt virtuell Nachbarschaften und stärkt so das Gemeinschaftsgefühl im realen Leben – auch in Großstädten wie Köln. 

nebenan.de ist eine Anlaufstelle für all diejenigen, die sich einen direkten Austausch unter Nachbarn und eine Gemeinschaft, die nach dem „Geben-Neben-Prinzip“ agiert, wünschen. Die Struktur und die Funktionen – von dem Melden eines entlaufenen Hundes bis zum Erstellen von Veranstaltungen – der Plattform sind dabei exakt auf die Bedürfnisse einer Nachbarschaft zugeschnitten.

nebenan.de-Nachbarschaft-Nachbarn-vernetzen-Köln-Portal-Plattform-Ina-Brunk-subvoyage-Online-Magazin-Screenshot

Eine Nachbarschaft auf nebenan.de kann kostenlos und im Prinzip überall gegründet werden. Wenn sie nicht sogar bereits schon besteht  – in diesem Fall kann man ihr als neuer Nachbar ganz unkompliziert beitreten. Auf der Website von nebenan.de könnt ihr euch die Funktionen der Plattform in einer Demo-Nachbarschaft genauer anschauen.

nebenan.de-Nachbarschaft-Nachbarn-vernetzen-Köln-Portal-Plattform-Ina-Brunk-subvoyage-Online-Magazin-Ina-Brunk-

Gegründet wurde die Plattform von Christian Vollmann und Till Behnke. Aktiv mitgestaltet wird nebenan.de außerdem von den Mitgründern Ina Brunk, Sven Tantau, Michael Vollmann und Matthes Scheinhardt. Um ein wenig mehr über das Nachbarschafts-Projekt zu erfahren, haben wir der Mitgründerin Ina Brunk, die auf dem Foto oben zu sehen ist, 8 Fragen gestellt:

1. Wie entstand die Idee die Plattform nebenan.de zu gründen?

Mein Mitgründer Christian Vollmann beschäftigt das Thema Nachbarschaft mittlerweile seit über drei Jahren. Nach einem Umzug mit seiner Familie hatte er das Bedürfnis, die bis dahin noch so anonyme Nachbarschaft kennen zu lernen. Er nahm damals all seinen Mut zusammen und ging in seiner Straße klingeln, um sich vorzustellen. Die Reaktionen waren nach einer anfänglichen Skepsis der Nachbarn durchweg positiv. Um diese Kontakte nicht wieder einschlafen zu lassen, rief er kurzerhand ein Online-Forum für seine Straße ins Leben. Seitdem lässt ihn das Thema Nachbarschaft nicht mehr los. Und wir waren dann ebenfalls sofort Feuer & Flamme, denn uns ging es ähnlich. Ich selbst komme aus einem kleinen Dorf und da hatte Nachbarschaft einen starken Stellenwert. Nachbarschaft bedeutet dort Lebensqualität.

2. Inwieweit hat sich das Nachbarschaftsgefühl deiner Meinung nach in den letzten Jahren verändert?

Das empfindet jeder natürlich ganz individuell, aber meiner Meinung nach ist das nachbarschaftliche Miteinander über die letzten Jahre und Jahrzehnte schon ziemlich eingeschlafen. Und das gilt nicht nur für die großen deutschen Städte. Auch in den Dörfern. Man fährt die Kinder mit dem Auto in den Kindergarten und schottet sich nach langen Arbeitstagen in seinem Reihenhäuschen ab. Wir wollen mit nebenan.de wieder einen Impuls setzen, seinen Nachbarn zu begegnen und mit einem anderen, heimatlicheren Gefühl durch die Nachbarschaft zu gehen. Quasi eine Online-Anbahnung, für hoffentlich mehr Begegnung im echten Leben.

3. Wie schafft es nebenan.de einen Beitrag zu einem nachhaltigen Lifestyle beizusteuern?

Die Plattform soll ein Werkzeug sein, um all die guten Vorsätze rund um einen nachhaltigen Lifestyle vielleicht etwas leichter in die Tat umzusetzen. Zum Beispiel, indem man sich ein Werkzeug ausleiht, bevor man wieder zum Baumarkt rennt und es kauft. Eine Bohrmaschine läuft in Deutschland in ihrem ganzen Leben nur 14 Minuten! Oder indem man Wissen und Erfahrungen teilt. Ist es wirklich zwingend nötig, zum Zahnarzt bis ans andere Ende der Stadt zu fahren, nur weil mir eine Freundin den mal empfohlen hat? Vielleicht haben meine Nachbarn ja auch gute Erfahrungen gemacht und ich kann so Zeit und Geld sparen? Eins meiner Lieblingsbeispiele zum Thema Nachhaltigkeit kommt aus einer Berliner Nachbarschaft: Ein Nachbar ist passionierter Foodsharer und rettet regelmäßig Lebensmittel. Statt sie, wie früher, dann bei Leuten mit dem Auto in ganz Berlin zu verteilen, kommen jetzt die Nachbarn zu Fuß bei ihm vorbei und holen sich die geretteten Lebensmittel ab.

4. Was unterscheidet die Plattform nebenan.de von lokalen Facebook-Gruppen?

Ich bin davon überzeugt, dass Nachbarschaft andere Rahmenbedingungen braucht als mehr oder weniger feste Freundschaften. Denn Nachbarn begegnen sich zunächst als Fremde mit einer einzigen Gemeinsamkeit: Räumlicher Nähe. Aus diesem Grund sind die Nachbarschaften auf nebenan.de geographisch klar begrenzt. Mit Hilfe eines Verifikationsprozesses erhalten nur echte Nachbarn Zugang. Das heißt, Personen aus anderen Regionen sowie Suchmaschinen können die auf der Plattform generierten Inhalte nicht auslesen. Wir möchten eine vertrauensvolle Umgebung schaffen, in der sich auch Nachbarn, die sich bisher nicht kannten oder neu sind, begegnen können. Zudem helfen wir den Nachbarn dabei ihre eigene Nachbarschaft zu starten.

5. Welche Funktionen stehen mir auf nebenan.de zur Verfügung?

Du kannst dein Profil ausfüllen, welches sich lediglich auf nachbarschaftliche Belange bezieht. Du kannst ein Foto hochladen und angeben, was du gerne mit deinen Nachbarn teilen würdest, woran du Interesse hast oder was du gut kannst. Nach genau diesen Schlagworten kannst du dann auch filtern. So können sich Mütter mit Kindern finden, Sportbegeisterte oder Senioren. Beiträge für die Nachbarschaft können in unseren sechs Rubriken „Teilen & Helfen“, „Zu Verschenken“, „Empfehlung“, „Marktplatz“, „Verloren & Gefunden“ und „Sicherheit“ eingestellt werden. Das macht es bei besonders regen Nachbarschaften einfacher, bestimmte Einträge zu finden. Außerdem kann man Veranstaltungen, beispielsweise für einen Hofflohmarkt, erstellen sowie Gruppen gründen. Wir unterscheiden hier zwischen offen Gruppen – Lauftreffs, Ausflugstipps, Kleidertausch-Gruppen und ähnliche – und geschlossenen Gruppen nur für ausgewählte Nachbarn. Das macht beispielsweise Sinn, wenn man eine Gruppe für sein Haus gründen möchte.

6. Wie entstehen Nachbarschaften auf nebenan.de und wie groß sind diese im Schnitt?

Nachbarn, die nebenan.de auch in ihrer Nachbarschaft nutzen möchten, registrieren sich auf www.nebenan.de. Wir führen die Interessenten dann durch einen simplen Registrierungsprozess, der übrigens auch nur Daten abfragt, die für eine Nachbarschaft zwingend relevant sind. Je nachdem, wo man wohnt, wird man dann entweder direkt einer bereits aktiven Nachbarschaft zugeordnet oder erhält von uns Unterstützung beim Starten der eigenen Nachbarschaft. Bei der Registrierung kann man dann auch direkt einen Vorschlag zu Name und Grenzen der eigenen Nachbarschaft machen. Denn schließlich kennt keiner die Umgebung so gut, wie die Anwohner selbst. Ein guter Richtwert ist in einer Großstadt wie Köln etwa das Belgische Viertel. Auf dem Land kann das aber ganz anders aussehen. Wichtig ist die Kombination aus Identifikation mit der Nachbarschaft und kritischer Masse, damit auch Leben in die Nachbarbude kommt.

7. Kann ich nebenan.de nur über die Website nutzen? Oder ist vielleicht auch eine App in Planung?

Unsere App für iOS und Android ist schon in Arbeit. Momentan kann nebenan.de nur über die Website genutzt werden, aber wir haben ein richtig gutes responsive Design und ihr werdet sehen, dass die Plattform auch auf dem Smartphone und Tablets richtig gut funktioniert.

8. Gibt es vielleicht geplante Neuerungen für die Plattform, über die du uns schon ein wenig erzählen magst?

Euch gebe ich gerne eine kleine Sneak Preview. Neben der App planen wir ein neues Feature, mit dem man auch angrenzende Nachbarschaften „abonnieren“ kann – natürlich weiterhin kostenlos. Gerade für Personen, die am Rand einer definierten Nachbarschaft leben oder deren soziales Leben sich durch die Kinder oder den Sportverein in der Nachbarschaft nebenan abspielt, wird das ein großer Zugewinn sein.

Neu in Köln, neu in der Nachbarschaft, neu im Mehrfamilienhaus

Es ist Spätsommer und ich sitze im Auto auf dem Weg zum Flughafen als ich einen Anruf von einer aufgeregten Freundin bekomme. „Hör mal! In dem Haus am Zülpicher Platz ist eine Wohnung frei geworden – da kannst du in 3 Wochen einziehen wenn du magst!“. So bin ich damals mehr oder weniger spontan im Oktober 2013 nach Köln gezogen. Das ist nun 2,5 Jahre her.

Von zu Hause ausziehen – das ist aufregend und spannend. Alles ist neu. Die Stadt, das Viertel, die direkten Nachbarn im Haus. In dem Mehrfamilienhaus, in das ich damals eingezogen bin, waren 46 einzelne Wohnungen untergebracht. Beim ersten Betreten erinnert das Gebäude an eine Jugendherberge. Die 5. Etage habe ich mir mit 8 Nachbarn geteilt. Aus meiner Heimatstadt kannte ich solche großen Wohnhäuser nicht.

nebenan.de-Nachbarschaft-Nachbarn-vernetzen-Köln-Portal-Plattform-Ina-Brunk-subvoyage-Online-Magazin-Rhein-Brücke-Rheinauhafen

nebenan.de-Nachbarschaft-Nachbarn-vernetzen-Köln-Portal-Plattform-Ina-Brunk-subvoyage-Online-Magazin-Rhein-Brücke-Rheinauhafen-Möwen

nebenan.de-Nachbarschaft-Nachbarn-vernetzen-Köln-Portal-Plattform-Ina-Brunk-subvoyage-Online-Magazin-Rhein-Brücke-Rheinauhafen-Krahn-Krahnhäuser

In einer Millionenstadt wie Köln ist man um einiges anonymer als auf dem Land. Das war mir bewusst. Doch selbst in meinem eigenen Wohnhaus war ich mir auch nach einem Jahr nicht sicher, ob die Person, die ich im Treppenhaus freundlich gegrüßt habe, dort wohnt oder aber nur ein Gast ist. Ich habe mich in einer Wohnung wohl gefühlt. Doch wenn ich genauer darüber nachgedacht habe, war diese Ungewissheit und Anonymität ein komisches Gefühl.

Umzug in eine andere Welt – Das Veedel Köln Ehrenfeld

Vergangenen Sommer bin ich aus dem Haus ausgezogen. Der Grund dafür war jedoch ein ganz anderer: Das Haus wird komplett saniert – gerade wenn man von zu Hause aus arbeitet sehnt man sich nach einigen Monaten Dauerbaulärm nach ein wenig Ruhe. Durch meinen Zwangsumzug hat es mich in das Veedel Ehrenfeld verschlagen. Für all diejenigen, die Köln nicht kennen: Der Zülpicher Platz liegt direkt auf den Ringen – sprich in der Innenstadt – und ist abends ein beliebter Treffpunkt für Studenten, Ehrenfeld hingegen ist – trotz seiner weiterhin recht zentralen Lage – die reinste Ruheoase im Vergleich zu dem Trubel am Zülpicher Platz.

Nach der Schlüsselübergabe für die neue Wohnung bin auf meinem Weg zum Baumarkt ein wenig alleine durch Ehrenfeld geschlendert. Man hat mich auf der Straße gleich zweimal gegrüßt. Das war für mich neu. Ist das hier wirklich noch Köln? Ja, auch so kann Köln sein! Das war ein tolles Gefühl. Auch wenn ich nun nur 4 U-Bahn Stationen von meiner ersten Wohnung entfernt leben, kommt es mir vor wie eine andere Welt. Ehrenfeld ist bunt, offen und nahezu heimatlich.

nebenan.de-Nachbarschaft-Nachbarn-vernetzen-Köln-Portal-Plattform-Ina-Brunk-subvoyage-Online-Magazin-Kölner-Dom-Triangle-Tower-Rhein-Innenstadt

nebenan.de-Nachbarschaft-Nachbarn-vernetzen-Köln-Portal-Plattform-Ina-Brunk-subvoyage-Online-Magazin-Bahnhof-Ehrenfeld-

Trotz dieser ganz neuen Voraussetzungen verfällt man gerade als Studentin, die nicht dauerhaft in Köln lebt sondern viel pendelt, schnell wieder in alte Routinen. Zur Uni, zum Supermarkt, zur Arbeit und am Wochenende zum Bahnhof um wahlweise nach Aachen, Bonn oder Münster zu fahren. Im Alltag gehen wir oft immer wieder die selben Wege ab, entwickeln Routinen. Aus diesen Routinen auszubrechen ist oftmals gar nicht so einfach, wie man sich das vielleicht wünscht.

Virtuelle Vernetzung und Bekanntschaften im realen Leben

Die Plattform nebenan.de ist da für mich die perfekte Lösung doch einmal auszubrechen, neue Bekanntschaften zu schließen und Lösungen auf Alltagsprobleme zu finden. Virtuell fällt es uns mittlerweile leichter auf andere Menschen zuzugehen. Die erste Hürde zum Weg einer starken Gemeinschaft wird uns durch nebenan.de somit genommen. Momentan wohne ich für mein halbjähriges Praxissemester in Münster. Ich kann mir sehr gut vorstellen hier in Münster – und später auch in Köln – die Plattform zu testen und einer Nachbarschaft beizutreten oder eine neue zu gründen. Von meinen Erfahrungen werde ich euch auf subvoyage selbstverständlich berichten.

Wie ist das bei euch? Kennt ihr all eure Nachbarn? Oder wünscht ihr euch vielleicht ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl in eurem Viertel? Könnt ihr euch vorstellen eine virtuelle Nachbarschaft zu gründen oder ihr beizutreten? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen, ich bin gespannt! 🙂

6 Kommentare

  1. Christine Bücherl

    Erhielt im Briefkasten ein Infoblatt, dass auf eurer Plattform nebenan.de/baerenkeller eingerichtet wurde.
    Bekomme aber immer eine Fehlermeldung dass diese Plattform nicht existiert.
    Woran kann das liegen?
    Bitte um kurze Rückmeldung
    Liebe Grüße
    Christine

    • Julia Recker

      Liebe Christine,

      mit dem, was bei dir im Briefkasten landet, haben wir ja nichts zu tun. Auch nicht mit der Plattform nebenan.de selbst. Wir haben ja lediglich über die Plattform durch ein Interview berichtet. Leider können wir dir da deshalb nicht weiterhelfen. Steht denn ein Absender auf dem Schreiben aus deinem Briefkasten? Am besten mal an diesen wenden!

      Liebe Grüße,

      Julia

  2. Pingback: Nebenan.de: Nachbarschaftshilfe für mehr Nachhaltigkeit im Alltag | GreenGadgets.de

    • Lieben Dank Tess! Die Bilder sind beinahe allesamt bei einem einzigen Spaziergang durch Köln im Januar entstanden 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.