Quick Talk: Bewusster Konsum – manchmal ist weniger mehr

Anfang des Monats bin ich in eine neue Wohnung gezogen. Räumlich habe ich mich vergrößert – was nötig war, da ich mit einem Freund zusammengezogen bin. Mit dem Auspacken der Umzugskartons begann das Sortieren und auch Ausmisten. Was kommt wohin, was wird nicht mehr gebraucht? Eine Frage, die da ebenfalls aufkommt: wo kommt das alles überhaupt her? Ist Konsum gleich Konsum? Welche Alternativen zum Konsumstress während der Vorweihnachtszeit gibt es? 

Durch die Anzahl der auszupackenden Kartons und den Dingen in ihnen wurde mir erst so richtig bewusst, was ich da alles für „Zeugs“ besitze. Zeugs, bei dem ich mich teilweise nun auch beim dritten Umzug ernsthaft frage, warum ich mich nicht schon beim Einsortieren der Kartons davon entledigt habe. Kurzerhand wurden großzügig die Flohmarkt-Kisten gepackt. Beim Zusammenlegen von zwei Wohnungen fällt allerlei an, das nun doppelt und dreifach vorhanden ist. Wir waren relativ erfolgreich bei unserem ersten Flohmarkt-Verkauf am vergangenen Sonntag. Dennoch warten nun weiterhin 11 Kartons auf den nächsten Termin im Frühjahr.

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Mit jedem Teil, das wir auf dem Flohmarkt verkauft haben, stieg meine gute Laune. Endlich wieder ein Stückchen weniger Ballast. Endlich wieder ein Stückchen mehr Freiheit. Es war ein tolles Gefühl und es fiel mir auch überhaupt nicht mehr schwer mich von den Dingen zu trennen. Das war früher einmal anders. „Irgendwann brauchst du das bestimmt noch einmal“, habe ich mir immer gesagt. Doch das stimmt einfach nicht. Ich habe es die letzten drei Jahre nicht benötigt und werde es auch in den nächsten drei Jahren nicht benötigen.

Auf dem Flohmarkt haben mich Mädels und junge Frauen immer wieder ganz erstaunt gefragt: „Warum verkaufst du denn alle diese schönen Kleidungsstücke, die sind doch total toll?“. Ja, es sind tolle Kleidungsstücke. Gar keine Frage. Doch ich brauche diesen Berg an Klamotten, den ich über die letzten Jahre angehäuft habe, einfach nicht. Ein Großteil hin mehr oder weniger ungetragen im Schrank. Verkaufen und ihnen ein zweites Leben schenken war da definitiv die beste Entscheidung. Es herrscht wieder eine übersichtliche Ordnung in meinem Schrank und ich konnte ein paar Frauen sehr glücklich machen.

Gerade zur Weihnachtszeit wird der Konsumwahnsinn, den auch ich lange gelebt habe, wieder verstärkt zum Thema. Es gibt unzählige Rabatte, die zum Kaufen verführen. Was mir jedoch ebenso immer mehr auffällt sind die Alternativen zu eben diesem Konsumstress. Erst am vergangen Freitag habe ich an der Kleidertauschparty der Klimaschutz Community Köln teilgenommen. Fast 600 Menschen waren Teil dieses Events. Jeder konnte Kleidungsstücke mitbringen und dafür andere wieder mitnehmen. Ich bin mir sicher, viele der Teilnehmer sind mit neuen Lieblingsstücken nach Hause gegangen. Der Unterschied zum Einkaufsbummel in der Fußgängerzone: es gab die Kleidung ganz umsonst und es musste nichts neues produziert werden. Eine Win-Win-Situtaion sozusagen – für die Umwelt und den eigenen Geldbeutel.

Eine Kleidertauschparty kann man im kleinen Stil auch im eigenen Freundeskreis auf die Beine stellen. Die Idee, den eigenen Besitztum zu verringern und das, was man neu anschafft, bewusst und im besten Fall als nachhaltige Variante zu kaufen/tauschen/leihen/teilen, fasziniert mich schon lange. Minimalismus ist hier das Stichwort. Was die Kleidung angeht, funktioniert das bei mir selbst seit etwa einem Jahr bereits ganz gut. In anderen Bereichen stecke ich momentan noch in einer Art Übergangsphase. Aber das ist auch vollkommen in Ordnung. Jeder noch so kleine Schritt in die richtige Richtung ist gut. Und jeder sollte diesen Weg in seinem ganz eigenen Tempo gehen. Niemand ist perfekt.

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