Second Hand oder Fair Fashion? 5 Statements von 5 Bloggern

Second Hand oder Fair Fashion? Für welche Seite würdest du dich entscheiden? Was steht bei dir im Vordergrund – Style, Umwelt, soziales, vegane Materialien? Statement Piece oder „Konsum, nein danke!“? Wie shoppst du? Fragen über Fragen. Ich habe 5 Blogger nach ihrer Meinung gefragt. Schau selbst!

Second Hand oder Fair Fashion Slowfashion sub voyage

Oliver und Yannick von rethinknation: Second Hand ist ökologischer, Fair Fashion hat das Potential die Industrie zu verändern. Bei Second Hand sollte man aufpassen, dass man nicht trotzdem Werbeträger für unethische Brands wird und bei Fair Fashion besteht die Gefahr dem eigenen Konsum freien Lauf zu lassen. Fest steht jedoch: Mit beidem kann viel bewegt werden!

Justine von Justinekeptcalmandewentvegan: Mein Kleiderschrank besteht vor allem aus fairen Kleidungsstücken, einigen alten Fast Fashion Lieblings- und Erinnerungsstücken und Second-Hand-Teilen, die über verschiedenste Umwege bei mir gelandet sind. Wenn ich shoppe, stehen für mich Fairness, vegan und Stoffqualität (bio & langlebige Qualität) im Vordergrund, wobei auch der nachhaltige Herstellungsprozess und somit die Umweltschonung wichtige Faktoren für mich sind. Egal ob faire Mode oder Second Hand, ich finde der Schlüssel ist immer der bewusste Konsum, ganz egal ob man etwas aus zweiter Hand oder ein nigelnagelneues, fair produziertes Stück kauft. Ein Tipp: Eine Liste mit Sachen erstellen, die man wirklich gerne hätte und dann bewusst danach Ausschau halten um Impulskäufe, die evtl. zu Schrankleichen werden, zu vermeiden! Außerdem sortiere ich regelmäßig meinen Schrank aus und mache mich dann auf die Suche nach neuen Besitzern für die ausrangierten Stücke, um ihnen ein zweites Leben einzuhauchen. Dass die Entscheidung zwischen Fair Fashion und Second Hand schwer fällt, liegt auf der Hand, doch im Zweifel bin ich für Second Hand.

Antonia von MOCHNI: Ich kaufe sehr gerne von modernen und kleineren Modelabels, die fair und umweltbewusst produzieren. Bei Accessories, wie Schmuck und Taschen greife ich auch gerne auf Second Hand von Flohmärkten zurück. Für mich persönlich ist es bei einem Kauf von einem neuen Produkt immer wichtig darauf zu achten woher die Kleidung kommt, die ich erwerben möchte. Das bedeutet, dass ich vor dem Kauf über das Modelabel im Internet recherchiere und deutliche Hinweise auf der Unternehmens-Website finde, die darauf hinweisen, dass das Label ganz klar auf eine ethisch korrekte und faire Produktion Wert legt und im besten Fall ihre Produktion offen darlegt. Wenn ein Unternehmen in einem Entwicklungsland wie Bangladesh produziert ohne in einer Fair Trade Organisation Mitglied zu sein, kaufe ich es nicht. Ich bevorzuge generell eher lokal produzierte Mode, da die Produktion für das Label besser kontrollierbar ist. Des Weiteren ist es mir wichtig, dass die Materialien umweltbewusst sind und kein Greenwashing betrieben wird. Bamboo Viskose wird fälschlicherweise auch gerne „Bamboo“ genannt und wird als umweltbewusst deklariert, dabei wird sie mit hochgiftigen Chemikalien nach dem Viskoseverfahren hergestellt und nur ein Minimum des Stoffes basiert letztlich aus der nachhaltigen Bambus Cellulose. Die giftigen Chemikalien landen dann im Abwasser was ganz sicher nicht umweltbewusst ist. Daher geht auch die antibakterielle Wirkung verloren, was viele gar nicht wissen. Natürlich ist es mir auch wichtig, dass die Stoffe Non-toxic sind und somit kein gesundheitliches Risiko für mich und die Menschen in der Produktion darstellen. Daher achte ich auf Zertifizierungen wie zum Beispiel GOTS und Standard 100 by OEKO-TEX®. Ich arbeite gerade daran eine neue Plattform ECO ALPHABET aufzubauen, bei der sich nachhaltige Modelabels registrieren können und in ihrem Profil Angaben über ihre Nachhaltigkeit machen können. Ich will versuchen den Käufern die  Kaufentscheidung durch mehr Transparenz und Übersichtlichkeit zu vereinfachen. Es gibt so viele schöne, kleine Modelabels in der Welt, die gutes tun und die mehr Aufmerksamkeit haben sollten.

Vreni von Jäckle und Hösle: Ich entscheide mich ganz bewusst für keine der beiden „Seiten“, sondern nutze gezielt beides. Mit Vintagekleidung finde ich meine „Statement Pieces“, besondere Teile, die meinen Stil ausmachen und in denen ich mich sehr wohl fühle und sage gleichzeitig nein zum ewigen Konsum, weil ich etwas nutze, das schon lange da ist. Diese Teile kombiniere ich meistens mit schlichteren Fair Fashion Teilen, weil ich auf der anderen Seite die Marken, die die Modewelt revolutionieren wollen, gerne unterstützen möchte und das geht meiner Meinung nach nur mit einer bewussten Nachfrage nach fairen und nachhaltigen Kleidungsstücken. Ich nehme mir quasi das beste aus beiden Welten. Nur Vintagekleidung zu tragen würde für mich nicht funktionieren, gerade Shirts zum Beispiel kaufe ich nicht Second Hand. Nur Fair Fashion zu tragen würde für mich auch nicht gehen, weil mir das schnell zu langweilig werden würde. Manchmal brauche ich halt einen knallroten Blazer mit goldenen Knöpfen und den findet man eben nur in Vintageläden, haha 🙂

Leonie von Glowing Mag: Ich bin ein großer Supporter von Second Hand Fashion, allerdings shoppe ich da lieber in kuratierten Sammlungen und nicht so oft auf dem Flohmarkt: Konzepte wie das Ausleih-System der Kleiderei oder das des Online-Vintage-Shops Oma Klara finde ich einfach spitze. Eine sehr nachhaltige Art, sich zu kleiden! Trotzdem bin ich momentan eher Team Fair Fashion – zumindest findet sich davon verhältnismäßig mehr in meinem Kleiderschrank. Ich unterstütze gerne faire Modelabels, die coole und moderne Looks kreieren. Der Markt ist hier noch viel zu klein und ich finde es toll, wenn sich Menschen hier Neues einfallen lassen und mutig sind, ihre Vision umzusetzen!

Second Hand oder Fair Fashion?

Ob nun Second Hand oder Fair Fashion, die eine richtige Antwort gibt es vermutlich gar nicht. Wenn man seinen Konsum ganz generell überdenkt und sich dann in diesen beiden Sparten aufhält, was die Mode angeht, dann macht man schon einiges richtig. Die beiden Bereiche ergänzen sich für mich perfekt. Daher findet ihr in unseren Outfit-Posts meist auch gleich immer beides. Wie seht ihr das? Second Hand oder Fair Fashion? Positioniert ihr euch klar auf einer Seite? Oder ist die Mischung für euch ebenfalls perfekt? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen! 🙂

Kategorie Interview
Anna

Ich bin Anna. Ein leidenschaftlicher, kreativer Mensch. Ich bin stolze Öko-Tante und vergesse dennoch gelegentlich hinter mir das Licht auszumachen. Nicht ein Einzelner muss alles perfekt machen. Lasst uns zusammen daran arbeiten, die Welt wieder ein Stück grüner zu machen!

3 Kommentare

  1. Justine finde ich bringt es auf den Punkt : bewusst konsumieren ist der Schlüssel und aus dem Bewusst einkaufen schließt sich dann automatisch die Mischung von Fair fashion und 2nd Hand. Es ist wichtig faire Unternehmen zu unterstützen ,keine Frage, da sie viel für den Wandel der Industrie tun. Andererseits ist es einfach traurig sagen zu müssen, dass sich erst wirklich was in dieser 3 trillionen Dollar Industrie ändern wird, wenn große Namen wie Inditex oder H&M ihr Denken ändern.
    Das soll jetzt nicht heißen, dass all diese Start Ups nichts bringen, im Gegenteil, sie schulen den Konsumenten und führen auf den Richtigen Weg.
    Man muss dabei aber ,wie Antonia sagt, natürlich immer aufpassen, dass man nicht in die Greenwashingfalle gerät, gerade wenn man sich im Textilen Bereich nicht so auskennt. Auch seh ich aus dem Blick eines Textiltechnologen Recycling von Cellulose Fasern kritisch… Bei 2nd hand und Kleidertausch kann man da einfach grundsätzlich nichts falsch machen denke ich – solange man dabei beim Grundsatz „weniger ist mehr“ bleibt.

    xx Franzi
    https://unpetitsourireslowsdown.blogspot.de/

  2. Ein sehr gelungener Artikel, der genau meine Gedanken dazu widerspiegelt – „richtig“ gibt es nicht, so lange die Wahl zwischen FairFashion und Secondhand besteht.
    Meine Schwangerschaft habe ich (fast) nur in Kleidung verbracht, die ich mir von einer guten Freundin leihen durfte, nur ein paar Tshirts sind neu hinzu gekommen. Die Shirts werden mit in „unsere“ Sammlung aufgenommen, so dass meine Freundin diese ebenfalls tragen kann, wenn sie wieder schwanger ist. Solche Kooperationen sollte es meiner Meinung nach viel öfter geben.
    Natürlich ist mir bewusst, dass da auch die Größe der Menschen eine Rolle spielt. Nicht jeder hat das Glück, 1a mit einem Tauschpartner zu passen. Aber gerade bei Accessoires sollte so ein Tausch doch möglich sein.
    Liebe Grüße,
    Natalie

  3. Ich stehe irgendwo dazwischen.
    Momentan kaufe ich gerne über Kleiderkreisel ein – tatsächlich aber bewusst auch nur faire Marken, da ich kein Werbeträger konventioneller Marken sein möchte.
    Ein Oberteil oder eine gut sitzende Jeans wäre noch in Ordnung für mich. Aber Schuhe oder ähnliches mit einem dicken Logo einer Marke, die ich eigentlich nicht unterstütze, würde ich nicht kaufen.

    Wenn neu, dann selbstverständlich nur fair und 3 Mal überlegt, ob ich es wirklich brauche.

    Liebe Grüße
    Laura

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