Weniger Plastik im Alltag // Zero Waste für Anfänger

Alleine in Deutschland landet pro Minute 1 Tonne Plastik im Meer. 1 Tonne? Pro Minute? Erschreckend. Aber wahr. Ein paar Fakten dazu wo dieser Müll herkommt und reichlich Tipps für weniger Plastik im Alltag gibt es in diesem Artikel.

Im Juni hat der WDC (Whale and Dolphin Conservation) im Rahmen der Kampagne „Weniger Plastik ist Meer“ für einen Workshop nach Frankfurt eingeladen. Uns allen ist die Verschmutzung des Meeres durch Plastikmüll bewusst. Wir wissen, dass es längst Zeit ist zu handeln. Dennoch gerät die Problematik trotz des Versuchs eines möglichst nachhaltigen Lebensstil fernab des Meeres in Köln im Alltag schon einmal leicht in Vergessenheit. Und dabei sind wir alle betroffen. Land- wie Küstenbewohner. Der Workshop hat uns dies definitiv nochmals anschaulich vor Augen geführt und wach gerüttelt.

Fakten rund um den Plastikmüll

Ändern wir unser Verhalten nicht, wird im Jahr 2050 mehr Plastik als Fische in den Meeren schwimmen. Der Plastikmüll in den Meeren ist eine für uns Menschen größtenteils unsichtbare Gefahr – 70% des Mülls befinden sich auf dem Meeresgrund. Im EU-Vergleich produziert Deutschland mit einem weltweiten Anteil von 8% die größte Menge Plastik. Es gelingt nur schwer exakt abzuschätzen, wie viel Plastikmüll sich bereits tatsächlich in den Weltmeeren befindet. Doch bereits mit den mittleren Werten von 8 Millionen Tonnen würde ganz Manhattan 34-mal knöcheltief unter Abfall verschwinden. Wie schnell auch eine deutsche Plastiktüte im weiten Ozean landen kann, zeigt dieses Video auf eine humorvolle Art und Weise trotz des ernsten Themas:

Ergänzend zu dem Video gibt es vom WDC ein toll aufbereitetes Factsheet, das zeigt woher der Plastikmüll in den Meeren stammt und wie sich dieser zusammensetzt. „Was passiert eigentlich mit dem Plastik, das wir entsorgen?“. „Mikroplastik ist doch winzig klein. Es können sich also keine Meerestiere darin verfangen. Worin liegt dann das Problem?“. Antworten auf diese Fragen – und noch einige weitere – gibt der WDC auf seiner Website.

7 Tipps für weniger Plastik im Alltag Blog subvoyage Infografik Plastikmüll im Meer WDC

Nun habt ihr bereits eine ganze Menge Fakten rund um den Plastikmüll in unseren Meeren erfahren. Ich könnte noch eine ganze Weile weitere erschreckende Fakten auflisten. Doch mit diesem Artikel möchte ich nicht bloß erinnern wie schlimm es bereits um die Meere steht, sondern vor allem eins zeigen: wir alle können an dieser Situation etwas ändern! Jeder einzelne von uns. Weniger Plastik im Alltag, das ist gar nicht mal so schwer. Kennt ihr bereits die 5 R’s des Zero Waste? Nehmt ihr euch diese zu Herzen, könnt ihr bereits etlichen Plastikmüll einsparen.

Die 5 R’s des Zero Waste

Refuse (ablehnen)
Reduce (reduzieren)
Reuse (wiederverwenden/reparieren)
Recycle (dem Wertstoffkreislauf geben)
Rot (kompostieren)


Die 5 R’s sollten im Idealfall von oben nach unten abgehandelt werden. Kann oder möchte ich auf etwas nicht komplett verzichten, sollte ich versuchen den Konsum zumindest zu reduzieren. Kann ich etwas nicht reparieren, dann sollte ich versuchen den Gegenstand zu recyceln. All diese Überlegungen, die sich hinter den 5 R’s verbergen, helfen im Alltag Plastik einzusparen. Shia, eine der Zero Waste Pioniere, hat über die 5 R’s auf ihrem Blog einen ausführlichen Artikel geschrieben – absolute Leseempfehlung.

7 Tipps für weniger Plastik im Alltag

Da die 5 R’s zunächst ein wenig abstrakt erscheinen mögen, möchte ich euch 7 einfache Tipps für weniger Plastik im Alltag an die Hand geben. Es müssen nicht gleich alle Tipps auf einmal umgesetzt werden. Wenn jeder von uns bereits einen beherzigt, gehen wir einen großen Schritt in die richtige Richtung.

1. Der Mehrweg-Stoffbeutel

Dem ein oder anderem mag dieser Aspekt mittlerweile vielleicht bereits aus den Ohren herausquellen. Und dennoch ist er so enorm wichtig. Noch längst ist der totale Verzicht auf Plastiktüten nicht selbstverständlich. Dabei wäre es so einfach. Selbst für Gemüse, Brot & Co gibt es jeweils spezielle Stoffbeutel, die das Einkaufen erleichtern und die Verwendung von Plastiktüten überflüssig machen.

In dem afrikanischen Land Ruanda ist die Plastiktüte seit dem Jahr 2004 komplett verboten – ohne Ausnahme. Auch Touristen müssen bei der Einreise auf ihren Begleiter aus Plastik verzichten. Ruanda ist damit ein gutes Vorbild und bestes Beispiel, dass solch ein Leben ohne Plastiktüte kein Hexenwerk ist.

2. Die wiederbefüllbare Trinkflasche

Unterwegs habe ich meine befüllbare Trinkflasche aus Stahl immer dabei. So verringere ich durch den Verzicht des Kaufs von Plastikflaschen nicht nur mein Plasitkmüllaufkommen, ich kann auch sicher sein keine eventuell lösbaren Stoffe aus dem Plastik in meinem Trinkwasser wiederzufinden.

Das Auffüllen mit Leitungswasser zu Hause stellt kein Problem dar. Doch wie schaut es unterwegs aus? Der Refill-Sticker zeigt’s an: hier kannst du deine Flasche auffüllen! Finden kann man den Sticker in Restaurants, Cafés oder auch Geschäften des Einzelhandels. Bisher ist der Sticker hauptsächlich in Hamburg verbreitet, aber auch in dem Kölner Unverpackt-Laden „Tante Olga“ kann man ihn beispielsweise schon finden.

3. Der eigene Coffee-To-Becher

In Deutschland werden stündlich 320.000 Coffee-To-Go-Einwegbecher verbraucht. Das ergibt im Jahr eine Summe von fast 3 Milliarden Kaffeebechern in der Bundesrepublik. Wenn wir Deutschen nur jedes zweite Mal unseren eigenen Mehrwegbecher zum Befüllen verwenden würden, könnten wir pro Jahr ganze unglaubliche 1,5 Milliarden Einwegbecher einsparen. Das wäre doch mal was.

4. Die Zahnbürste aus Bambus

Diesen Blog gibt es nun bereits seit über 2,5 Jahren. In einem der ersten Artikel steht die damals bei mir neu eingezogene Bambus-Zahnbürste im Mittelpunkt. Der Aufwand für die Umstellung an dieser Stelle ist gering, der Effekt dafür umso höher. Schließlich kaufen wir im Schnitt alle 3 Monate eine neue Zahnbürste – und das unser Leben lang. Da fällt eine Menge Zahnbürsten-Plastikmüll an. 2.200 Tonnen jährlich in Deutschland um genau zu sein, das entspricht etwa 190 Millionen Zahnbürsten.

5. Die feste Seife

Ohne dass es immer gleich ersichtlich ist, versteckt sich in vielen Hygieneprodukten Mikroplastik. In der Gesichtswaschlotion, im Duschgel, in der Zahnpasta. Ein Weg, gleich zweifach Plastik im Badezimmer einzusparen: festes Shampoo und Seife am Stück. So wird nicht nur die Plastikverpackung der Produkte hinfällig, in der Regel enthalten sie auch kein Mikroplastik.

6. Die Waschmaschine

Nicht nur durch Kosmetikprodukte gelangt Mikroplastik in den Wasserkreislauf. Beim jedem Waschgang lösen sich kleine Partikel von Kleidungsstücken aus synthetischen Stoffen. Daher sollte man wirklich zweimal überlegen, ob ein Kleidungsstück tatsächlich bereits wieder gewaschen werden muss oder ob einfaches Auslüften zunächst nicht reicht. Wenn wir ehrlich sind, sind die wenigsten Klamotten, die wir in die Waschmaschine stecken, wirklich dreckig. Durch selteneres Waschen gelangt nicht nur weniger Mikroplastik ins Wasser, die Kleidungsstücke bleiben auch länger erhalten – abermals ein doppelter positiver Effekt.

7. Der bewusste Konsum

Brauche ich das wirklich? Und brauche ich es wirklich neu? Oder bekomme ich es auch Second Hand? Fragen, die ich mir mittlerweile vor jeder Neuanschaffung stelle und so versuche meinen Konsum bewusster zu gestalten. Neuwaren sind oft in Plastik verpackt, bei Second Hand Teilen kann ich die Plastikverpackung in der Regel einsparen. Durch bewussten Konsum landet nicht nur weniger Plastik in unseren Meeren, er ist auch auf so vielen weiteren Ebenen schonender für die Umwelt.

Niemand ist perfekt – doch jeder einzelne Schritt zählt

Bereits zu Beginn der 7 Tipps für weniger Plastik im Alltag habe ich meine Meinung zu diesem Standpunkt kundgetan: niemand ist perfekt, niemand muss all diese Tipps täglich umsetzen. Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, einen der Tipps besonders leicht im Alltag integrieren zu können und beginnt mit diesem. Nach dem ersten Schritt folgt der zweite. Aus diesem Grund bezeichne ich den Weg zu einem nachhaltigeren Lifestyle gerne als Reise. Mit welchem Schritt möchtet ihr beginnen? Welchen seid ihr vielleicht bereits gegangen? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen! 🙂

1 Kommentare

  1. Liebe Julia,

    ich finde es spannend, wie unterschiedlich die Teilnehmerinnen des Workshops auf den Input reagiert und wie anders wir alle ihn verarbeitet haben.

    Eure praktische Liste gefällt mir sehr gut und ich halte alle Punkte darin (man kann alles gar nicht oft genug wiederholen) für sehr wichtig – vor allem aber denjenigen, dass niemand perfekt ist und das auch gar nicht das angestrebte Ziel sein sollte. Man fängt sonst doch sowieso gar nicht erst an – und das wäre so ziemlich der schwerwiegenste Fehler, den man machen könnte…

    Liebe Grüße
    Jenni

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