Quick Talk: Wertschätzung – Mehr die kleinen Dinge wertschätzen

Was war dein prägendstes Erlebnis? Wow, was für eine schwere Frage! Hast du dir da schon einmal explizit Gedanken zu gemacht? Ich nicht, bis ich in einem Seminar in der Uni danach gefragt wurde. Wir sind nur 16 Teilnehmer – sonst sind es gerne schon einmal 130 Personen in unseren Vorlesungen. Also eine sehr persönliche und intime Runde. Und gleich diese erste Frage ging total unter die Haut.

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In dem Seminar geht es darum, sich mit sich selbst auseinander zu setzten. Sich selbst ein Stück weit besser kennen zu lernen. Mir wurde diese Frage also nicht vor der ganzen Gruppe gestellt. Man wird in diesem Seminar nicht nach vorne geschupst und muss performen. Es gibt keinen Zwang.

Ich saß nun also da. Lucy mir gegen über. Eine mir bis dahin noch völlig unbekannte Person. In dem ersten Gespräch sollte man zunächst sein Gegenüber besser kennenlernen. Wir hatten schnell fest gestellt, dass wir einige Gemeinsamkeiten haben. Ich hatte gleich großes Vertrauen zu ihr.

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Und dann kam sie eben, diese eine Frage: „Was war dein prägendstes Erlebnis?“. Mir schossen gleich zahlreiche Gedanken durch den Kopf. Aber keiner der Momente, die mir einfielen, erschienen mir als das eine prägendste Erlebnis. Also begann ich zu erzählen, ohne mich vorher entschlossen zu haben, dass das der eine Moment war, der mein Leben verändert hat.

Das Ereignis, von ich Lucy erzählt habe, hat auf einer Beerdigung stattgefunden. Ich hatte gerade meine erste Beziehung nach zwei Jahren Zweisamkeit beendet. Und gleich am nächsten Tag starb mein Opa. Es war die erste Beerdigung, auf der ich war. Es gab erst eine Messe und dann ging es weiter auf den Friedhof. Mein Großvater hatte sich eine ganz schlichte und kleine Grabplatte gewünscht. Er wollte niemandem zur Last fallen.

So standen wir alle da. Rings um dieses kleine Loch, mitten auf einem Stück Wiese. Einer nach dem anderen ging nach vorne um Abschied zu nehmen. Gemeinsam trauerten wir. Jeder angelehnt an seinen stützenden Partner. Und ich stand mitten drin, einsam in dieser Zweisamkeit. Dann war ich an der Reihe. Ich sollte nach vorne gehen. Ich sollte Abschied nehmen. Doch gleich den ersten Schritt setzte Julia gemeinsam mit mir an. Sie reichte mir die Hand. Hand in Hand gingen wir nach vorne. Die Tränen überströmten mein Gesicht. Ich war so froh, diesen schwierigen Moment nicht alleine durchstehen zu müssen.

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Es war nur eine kleine Geste. Ein ganz kurzer Moment. Und dieser Moment hat auch nicht weltbewegend mein Leben beeinflusst. Und doch bedeutet mir dieser Moment so viel. Dem war ich mir ehrlich gesagt nicht mehr bewusst, bis ich es Lucy erzählt hatte. Mir hatte er wortwörtlich die Sprache verschlagen. Man sagt es so oft „Mehr die kleinen Dinge im Leben wertschätzen“. Ein Satz, den ich mir nun – zwei Jahre später – sehr zu Herzen genommen habe. Auf dieser Beerdigung hätte mir nichts besseres passieren können – Danke Julia!

2 Kommentare

  1. Liebe Anna,
    du hast es tatsächlich geschafft, dass ich beim Lesen dieses Textes feuchte Augen bekommen habe. Das war wie ein Deja-vu an der Beerdigung meines geliebten Opas vor ein paar Jahren. Da wird mir wieder klar, wie sehr ich meinen Opa vermisse.
    Mein prägendes Erlebnis dieses Jahr war der Zieleinlauf eines Wettlaufs. Ich war erkältet, hatte die letzte Tage vor dem Wettlauf nicht trainiert, mein Hals meldete Schmerzen an und zu guter Letzt hatte ich eine l
    ängere Erkrankung am Ohr. Alle versuchten mich abzuhalten und wollten verhindern, dass ich laufe. Doch ich konnte und wollte mein Ziel wegen einer blöden anstehenden Erkältung nicht absagen. Also bin ich gelaufen. Beim Laufen ist mir tatsächlich etwas schwindlig geworden und ich war kurz davor abzubrechen. Aber als ich am Ziel eingelaufen bin und sah, dass meine Zeit sogar viel geringer als im letzten Jahr war, gab ich Gas.
    Und daraus habe ich gelernt: egal was andere sagen oder du Rückschläge erleiden musst – mach weiter, gib nicht auf und ganz wichtig: glaub an dich. So kann man wirklich alles schaffen.
    Huch das ist nun ein langer Kommentar geworden 😉
    Liebste Grüße
    Natalie

    • Anna

      Liebe Natalie,

      jetzt bin ich selbst ganz gerührt, dich erreicht zu haben. Wie recht du hast. Der eigene Wille gibt einem die meiste Kraft! Mach weiter so und halte fest an deinen Zielen 🙂

      Ganz liebe Grüße zurück,
      Anna

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