Die Sache mit der Handarbeit in der Modeindustrie

Produkte erhalten die unterschiedlichsten Labels: regional, biologisch, fair, in Handarbeit produziert. Diese Aufzählung könnte beliebig fortgeführt werden. In diesem Artikel möchte ich jedoch einen Aspekt ein wenig genauer unter die Lupe nehmen: die Handarbeit in der Modeindustrie.

Was früher die Regel war, ist heute zum Alleinstellungsmerkmal geworden. In unserer Industriegesellschaft wird Handarbeit automatisch mit Qualitätsprodukten in Verbindung gebracht. Durch die Handarbeit wird jedes Stück zum Unikat und somit etwas, wofür man gerne bereit ist ein klein wenig mehr Geld zu investieren.

In den letzten Wochen ist mir eines auf Instagram ganz besonders aufgefallen: Blogger präsentieren Produkte mit Worten wie “Dieses Kleidungsstück/Stofftier/Baby-Body wurde in aufwendiger und liebevoller Handarbeit gefertigt – es ist daher jeden Cent Wert”. Der Aussage dieses Satzes stimme ich zunächst voll und ganz zu. Produkte sollten einen gewissen Verkaufswert haben.

Das große “Aber” bei der Handarbeit in der Modeindustrie

Nun folgt das Aber, über das ich mir in den letzten Tagen immer wieder Gedanken gemacht habe: auch T-Shirts von großen Ketten werden in Handarbeit gefertigt. Obwohl sie für 3 Euro verkauft werden. Es gibt keine Maschine, die fertige T-Shirts ausspuckt. Somit werden Kleidungsstücke von Primark, h&m, Zara & Co von einer Näherin oder einem Näher genäht genauso wie die, die groß das Label “gefertigt in Handarbeit” tragen. Offenbar gerät diese Tatsache schnell in Vergessenheit.

Mir ging es früher genau so. Ich habe über den Prozess der Entstehung meiner Kleidungsstücke nicht groß weiter nachgedacht. Nicht nachgeforscht, welche Auswirkungen mein Konsum mit sich bringt. Bis es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen gefallen ist und es mittlerweile völlig selbstverständlich für mich ist entweder zu Fair Fashion oder aber Second Hand Mode zu greifen.

Handarbeit in der Modeindustrie Fair Fashion Slow Fashion nachhaltige Mode subvoyage Blog Label

Da mich dieses Thema aktuell so sehr beschäftigt, fallen mir die angesprochenen Betonungen der Handarbeit auf Instagram vielleicht nochmals stärker auf. Und dennoch finde ich es erschreckend. Erschreckend, dass scheinbar durchaus die Bereitschaft besteht für Handarbeit mehr Geld auszugeben, auf der anderen Seite jedoch nicht bedacht wird, dass auch ein Fast Fashion Shirt von einem Menschen gefertigt wird.

Interesse bekommen ein wenig mehr über Fair Fashion und die Hintergründe zu erfahren? Dokumentationen sind dafür eine super Sache. Gerne lege ich euch daher 3 Fair Fashion Guides an die Hand, die neben Marken & Co auch Dokumentationen empfehlen:

  1. Anna-Laura Kummer
  2. Justine kept calm and went vegan
  3. Daria Daria

Hattet ihr in der Vergangenheit einen Aha-Moment, durch den ihr euch intensiver mit Fair Fashion auseinandergesetzt habt? Ist euch vielleicht etwas ähnliches aufgefallen wie mir der Aspekt mit der Handarbeit in der Modeindustrie? Ich freue mich auf den Austausch mit euch zu dem Thema in den Kommentaren!

Kategorie Fair Fashion

Ich bin Julia. Den Blog subvoyage habe ich im August 2015 gegründet und erzähle seitdem hier von meiner Reise zu einem nachhaltigeren Lifestyle. Im Oktober werde ich zum ersten Mal Mutter – ein großes Abenteuer.

5 Kommentare

  1. Hallo Julia. Vorweg, tolle Seite, super Ziel.
    Ich gebe dem Kommentar von Michel völlig Recht und möchte noch ergänzen: Step by Step in die richtige Richtung, und alle Lebewesen und die Natur werden in Zukunft davon profitieren.
    Meinen Aha-Moment hatte ich vor ein paar Jahren durch diverse Dokumentationen im Internet, woraus eine intensive Recherche folgte…..

  2. Hallo Julia, ich glaube das Wichtigste ist es “sich Gedanken” zu machen. Es gibt keine einfache Lösung oder Antwort. Wie auch schon oben bemerkt, ist oftmals die Modeindustrie nicht nur Ausbeuter sondern auch Brotbringer. 1/6 aller Menschen, sagt man, arbeiten irgendwie in der Textile Branche. Über 150 jahre war Arbeit in der Textilbranche für viele Millionen Menschen der Ausweg aus totaler Armut. So gross ist diese Industrie, dass 8% des gloabeln CO2 Ausstosses wird durch die Textile Industrie verursacht (die Flug Industrie ist nur 2%). Die Aswirkungen sind enorm. Besonders die chemische Färbeindustrie hat weite Lebensräume zerstört. Der rücksichtslose Umgang holt uns jetzt ein. Die Verodnung für Kontrolle was an Chemikalien in Textilen drin sein kann (in Europa ist das die REACH) ziemlich löchrig und es gibt mehr und mehr Untersuchungen die gewisse Krankheiten in westlichen Ländern in Verbindung mit Textilinhaltsoffen bringen (zB. Phthalates, Chlorbenzene und Schwermetalle). Fluch und Segen, aber wir lernen dazu!

    Es gibt also keine Antwort was falsch oder Richtig ist, wichtig ist, darüber zu sprechen und zu schreiben! Vielen Dank!

  3. Liebe Sandra,
    da bin ich total einig: man darf nicht vergessen, dass es hier viele Leute gibt, die sich es nicht leisten können faire Mode zu kaufen. Wenn ich was für mich oder für meine Kinder brauche und habe zur Zeit wenig Geld, gucke ich immer in Second Hand Shops. Es ist günstig und der Qualität immer viel besser als beim Billiganbieter.
    Viele Grüße von
    http://www.ingegerd.de

  4. Pingback: STRYLINKS #134 - stryleTZ

  5. Sandra Bloch

    Hallo Julia! Einen richtigen A-Ha Moment hatte ich nicht. Auch ist meine Garderobe noch lange nicht ausschließlich “Fair” oder “Bio”. Ich habe sowohl ZARA als auch People Tree im Schrank. Ich meide allerdings Läden wie PRIMARK, weil ich weder die Luft in diesem Laden noch den Geruch, den er ausströmt, ertragen kann. Auch habe ich noch nie bei Zalando etwas bestellt. Ich kaufe Kleidung, weil ich sie a) brauche und b) weil sie mir gefällt. Ich trage diese Kleidung viele Jahre und brauche nicht jede Saison genau den letzten Schrei. Das hat mich noch nie interessiert. Weder mit 20 noch jetzt mit 50 ! In der nächsten Zeit werde ich definitiv mehr faire Mode kaufen, weil ich mit dem Konzept dahinter zufrieden bin und es mich überzeugt. Allerdings kann ich es gut nachvollziehen, wenn Menschen auch z. B. bei KIK einkaufen gehen. Meistens steht da ein schwaches bzw. kleines Einkommen dahinter. Wir sollten nicht vergessen, daß in unserem Land auch viel Armut herrscht. Grundsätzlich bin ich dafür, faire Mode auch zu kleinen Preisen anzubieten, habe aber leider jein Rezept, wie man das umsetzen könnte.
    Liebe Grüße Sandra Bloch

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