Positiver Geburtsbericht einer Hausgeburt

Meine zweite Geburt wird in so vielerlei Hinsicht anders verlaufen als die erste – das wusste ich bereits vorab. Nun durfte ich diese wunderbare Reise der Hausgeburt vor vier Wochen erleben und ich möchte euch davon erzählen. Nicht einen einzigen Punkt dieser Geschicht würde ich umschreiben wollen. Für mich war diese Geburt meine absolute Traumgeburt.

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Zwei Tage vor dem errechneten Geburtstermin bemerke ich gegen 10 Uhr den Abgang des Schleimpfropfs und bin ganz aufgeregt. Wellen habe ich schon eine ganze Weile immer wieder, doch nun geht es wohl bald wirklich los – unsere kleine Tochter macht sie auf den Weg zu uns. Der Tag vergeht. In der Nacht werde ich dreimal durch den Verlust von einem kleinen Schwall Flüssigkeit geweckt. Am Vormittag einen Tag vor ET macht unsere Hebamme einen Fruchtwassertest, der negativ ausfällt. Doch kein vorzeitiger Blasensprung. Dennoch blasen wir im Wohnzimmer bereits den Geburtspool auf. Mit einem breiten Grinsen und voller Vorfreude schaue ich ihn immer wieder an. Nicht mehr lange und ich werde in genau diesem Pool meine zweite Tochter empfangen.

Erneut vergeht der Tag ohne weitere Vorkommnisse und auch in der Nacht schlafe ich gut. Wir warten weiter, ohne ungeduldig zu sein. Amelie, unsere erste Tochter, wurde fünf Tage vor ET geboren. Daher kennen wir diese Wartephase von ihr noch nicht.

Bei einem Spaziergang gemeinsam mit meinem Mann am Samstagabend, dem errechneten Geburtstermin, werden gegen 20 Uhr die Wellen regelmäßig und kommen alle 10 Minuten. Draußen ist es kalt, daher nehme ich ein warmes Bad zum Aufwärmen. Auch in der Badewanne verändert sich der Abstand und die Intensität der Wellen nicht. Sie kommen weiterhin alle 10 Minuten. Ich muss jede Welle veratmen, doch sie sind noch sanft. Die ganze Nacht liege ich bei Kerzenschein auf dem Sofa und empfange jede Welle mit große Freude, da ich weiß, dass sie uns unsere Tochter ein Stückchen näher bringen. Beinahe ununterbrochen höre ich meine Geburtshypnosen. Zwischendurch döse ich immer wieder ein.

Meine Schwester ist bereits vor ein paar Tagen aus Kopenhagen zur Unterstützung angereist. Wir frühstücken also zu viert am Sonntagmorgen. Weiterhin kommt alle 10 Minuten eine Welle. Wir beschließen daher, dass meine Schwester gemeinsam mit Amelie den Tag wie auch die Nacht bei Oma & Opa etwa 70 km weit entfernt verbringen. Dort sind die beiden gut aufgehoben und wir versuchen uns ein wenig zu entspannen. Nach dem Mittagessen sind die Wellen weiterhin entspannt, doch ich merke, dass ich mich auf die Geburt konzentrieren möchte. Ein letztes Mal gehen wir spazieren, im Anschluss steige ich erneut in die Badewanne. Trotz wenig Schlaf fühle ich mich fit und bereit für die Geburt.

19 Stunden lang haben sich die Wellen nun nicht mehr verändert – sie sind weder abgeflacht noch sind die stärker geworden. Um 15 Uhr rufe ich daher erstmals unsere Hausgeburtshebamme an. Um 16 Uhr erreicht sie unsere Wohnung. Nun kann ich völlig loslassen, fühle mich sicher und geborgen. Nachdem die Wellen so viele Stunden alle 10 Minuten kamen, werden sie nun schlagartig stärker und die Abstände verkürzen sich. Der Muttermund ist 2 cm geöffnet, die Geburt beginnt. Ich bin weiterhin entspannt.

Um 16:46 Uhr wird der Pool befüllt, um 17:21 Uhr gleite ich in das warme Wasser. Die Wellen werden von Mal zu Mal stärker, ich veratme langsam und leise. Im Gegensatz zur ersten Geburt bin ich dieses Mal ganz bei mir und sehe alles völlig klar. So entscheide ich mich zwischendurch kurz aus dem Pool herauszukommen und zur Toilette zu gehen, da ich weiß, dass sowohl eine leere Blase als auch ein wenig Bewegung förderlich für die Geburt sind. Mein Mann und die Hebamme nutzen den Moment, um auf meinen Wunsch hin ein wenig warmes Wasser nachzufüllen.

Abwechselnd höre ich meine Geburtshypnose mit geschlossenen Augen oder schaue in aller Stille den flackernden Kerzen in unserem Wohnzimmer zu. Ich trinke regelmäßig kleine Schlücke Wasser und esse ein wenig Trockenobst. Ich fühle mich gut versorgt, geborgen und sicher. Regelmäßig werden die Herztöne mit einem kleinen Doppler geprüft. Das funktioniert auch unter Wasser ganz bequem, ich werde dadurch nicht beeinträchtigt. Die Töne sind stets optimal, ein CTG schreiben wir daher nicht. Somit wurde in dieser Schwangerschaft kein einziges CTG geschrieben.

Um 19:45 Uhr untersucht unsere Hebamme zum zweiten und letzten Mal den Muttermund. Auf meinen Wunsch hin teilt sie mir den genauen Befund nicht mit. Ich weiß, dass der Befund nichts darüber aussagt, wie lange es noch dauert bis das Baby geboren wird. Daher möchte ich mich durch diese Zahl nicht verunsichern lassen. Später erfahre ich, dass er zu dem Zeitpunkt etwa 5 cm geöffnet war. Nachdem ich eine ganze Weile entspannt im Pool auf dem Rücken halbliegend regelrecht geschwebt habe, fragt unsere Hebamme, ob ich mich nochmals ein wenig bewegen möchte. Ich stimme zu und drehe mich im Wasser langsam um.

Plötzlich zittert mein ganzer Körper, ich lehne mich im Wasser kniend mit dem Oberkörper auf den Rand des Pools. Mein Körper presst, ohne dass ich mich aktiv beteilige. Ich spüre das Platzen der Fruchtblase und einen starken Druck nach unten. Drei Wellen später um 20:02 Uhr schwimmt Sofia mit geöffneten Armen zu mir hervor und ich nehme sie gleich fest an mich. Ein unbeschreiblich kraftvolles und wunderschönes Gefühl, das ich so noch nicht kannte.

Gemeinsam mit Sofia auf dem Arm bleibe ich weitere 45 Minuten im Pool. Wir Eltern bestaunen sie, schauen sie uns ganz genau an und streicheln die vielen dunklen Haare. Schon nach kurzer Zeit trinkt sie erstmals an der Brust. Nach der Dreiviertelstunde durchtrennt mein Mann die Nabelschnur und wickelt Sofia in ein vorgewärmtes Handtuch. Ich bleibe noch einige weitere Minuten im Pool bis die Nachgeburt geboren wird. Auch das verläuft komplikationslos. Geburtsverletzungen habe ich keine. Mir wird mein Bademantel angereicht und ich kuschel mich mit Sofia auf der Brust unter eine dicke Decke.

Erst nach etwa 1 ½ Stunden wird Sofia gewogen und gemessen. 3300 Gramm schwer und 50 Zentimeter groß ist sie. Wir lassen sie ein wenig im warmen Wasser in der Babybadewanne schweben, damit sie nach dem Wiegen und Messen entspannen kann. Eine weitere Stunde später liegen wir zu dritt in unserem Familienbett. Unsere Hebamme hat den Geburtspool bereits wieder abgebaut und sich bis zum nächsten Morgen verabschiedet. Mein Mann kocht uns ein paar Nudeln, die wir gemeinsam im Bett essen. Von 1 bis 6 Uhr schlafen wir tief und fest.

Ich bin dankbar für solch einen einzigartigen Start ins Leben, der entspannter nicht hätte sein können. Ich bin dankbar für die Unterstützung durch meinen Mann, unsere Hebamme und Kristin Graf von “Die Friedliche Geburt”.

3 Kommentare

  1. Wow, was für ein inspirierender Bericht. Ich bin bisher noch keine Mama, aber freue mich schon sehr darauf vielleicht auch bald dieses Abenteuer zu wagen. Deine Erzählungen geben so unglaublich viel Mut! Danke dir!

  2. Kira Marie

    So ein toller Bericht und macht mir als Erstgebärende viel Mut. Vielen lieben Dank!

    • Julia Zohren

      Es freut mich so sehr, das zu lesen – genau aus diesem Grund habe ich meine Geschichte niedergeschrieben!

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