Erfahrungen rund um’s Stillen: Unsere persönliche Stillgeschichte

Amelie ist nun ein halbes Jahr alt und wird weiterhin voll gestillt. Ich schätze mich unheimlich glücklich eine solch harmonische Stillbeziehung mit meiner Tochter führen zu dürfen. Denn auch wir hatten zu Beginn unsere kleinen Startschwierigkeiten. Ein wenig mehr dazu möchte ich euch in unserer ganz persönlichen Stillgeschichte erzählen.

Bereits in der Schwangerschaft habe ich mir immer wieder versucht auszumalen wie es wohl sein wird das eigene Kind zu stillen. Wie die Schwangerschaft selbst ist auch das Stillen ganz anders als erwartet. Es lässt sich kaum in Worte fassen. Mittlerweile kann ich aber sagen: es ist wunderbar und ich genieße die Nähe zu meiner Tochter sehr.

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Der Anfang unserer Stillgeschichte

Das Krankenhaus, in dem ich entbunden habe, hat ein spezielles so genanntes Stillzimmer. Dort konnte man ganz in Ruhe sein Kind stillen in Gesellschaft von weiteren frisch gebackenen Mamas und einer helfenden Krankenschwester. Ich bin unheimlich dankbar für diese Hilfe. Die Krankenschwestern waren stets einfühlsam und standen rund um die Uhr mit Rat und Tat zur Seite.

Am ersten Tag nach der Geburt wurde mir beim Stillen plötzlich übel sowie schwindelig und ich bekam starke Unterleibsschmerzen. Schnellst möglich habe ich Amelie wieder in ihr kleines rollbares Bettchen gepackt und bin mit ihr zurück auf mein Zimmer, um mich hinlegen zu können. Es dauerte keine 2 Minuten bis die Schwester aus dem Stillzimmer zu mir kam. Sie hatte bloß am Rande mitbekommen, dass es mir nicht gut ging. Ihr war es aber ein besonderes Anliegen mir zu sagen, dass dies durchaus ein gutes Zeichen ist. Stillen löst Nachwehen aus. Amelie hat bereits so gut getrunken, dass ich sehr starke dieser Nachwehen bekommen habe. Das wusste ich vorher nicht. Es tat daher unheimlich gut die Worte der Krankenschwester zu hören. Schwindel und Übelkeit legten sich schnell wieder.

Ich wünsche jeder Frau solch einen schönen und unterstützenden Start. Sollte euer Krankenhaus nicht ausgesprochen stillfreundlich sein, kann diese Hilfe auch durch eine Hebamme, eine Stillberaterin oder eine befreundete Mama erlebt werden.

Über die Wehwehchen in der ersten Zeit schreibe ich unter den jeweiligen Zwischenüberschriften ein wenig mehr.

Stillen mit Stillhütchen

Amelie hat die Brust zunächst nicht richtig gepackt bekommen. Daher wurde schnell – nach dem zweiten Versuch – zu Stillhütchen gegriffen. Mit diesen klappte es direkt viel besser. Ob ich/wir zu schnell aufgegeben haben? Ich weiß es nicht. In dem Moment war ich einfach froh, dass es so überhaupt klappte und nahm die Hütchen gerne in Kauf. Beim zweiten Kind, mit mehr Erfahrung, würde ich es vermutlich dennoch anders handhaben.

Die erste Zeit habe ich es gar nicht mehr ohne probiert. Nach einigen Wochen wagte ich es immer mal wieder, jedoch erfolglos. Meine Hebamme meinte “Irgendwann klappt es vielleicht ohne und wenn nicht dann eben nicht”. An dieser Stelle hätte ich mir mehr Unterstützung gewünscht. Da es diese nicht gab, habe ich es auf eigene Faust immer mal wieder getestet ohne Amelie und mich dabei zu stressen. Das Ergebnis: seit ihrer 9. Lebenswoche stillen wir komplett ohne Hütchen. Tatsächlich hatte es irgendwann plötzlich einfach geklappt. Bei einer befreundeten Mutter ist das gleiche nach 5 Monaten geschehen. Somit habe ich zwar keinen Geheimtipp was das Abgewöhnen des Hütchens angeht, sondern kann nur das raten, was für beinahe alle Situation mit Baby gilt: locker und ohne Druck an die Sache herangehen.

Bedürfnisorientiertes Stillen

Noch immer bekommt man dann und wann zu hören “ein Baby muss alle 4 Stunden gestillt werden”. Zwar habe ich mich zu keinem Zeitpunkt an diese Regel gehalten, zu Beginn habe ich unsere Stillzeiten jedoch tatsächlich in einer App festgehalten. In dieser Anfangszeit hat es mir Sicherheit gegeben. Doch schnell habe ich mich gefragt “Was möchtest du damit bezwecken? Was ist dein Ziel? Einen Rhythmus einführen?”. Diesen Rhythmus hat stets Amelie vorgegeben und genau so fühlt es sich richtig an. Amelie holt sich das was sie braucht und ich gebe es ihr gerne. Man bekommt als Mama ein Gefühl dafür, wann das Baby stillen möchte und merkt dies in der Regel auch schon bevor es etwa weint.

Milcheinschuss und Milchstau

Der Milcheinschuss erfolgte bei mir am 2. Tag nach der Geburt. Meine Brüste spannten, waren heiß und obwohl ich mir einen Still-BH in einer Nummer größer zugelegt hatte, passte dieser nicht mehr. Diese Veränderung ist wirklich enorm, zumindest bei mir war es so. Die ersten 10 Tage waren nicht einfach und kosteten durchaus einiges an Kraft. Ab da wurde es immer besser und schmerzfrei stillen konnte ich etwa ab der 4. Lebenswoche. Diese Zeitspanne variiert von Frau zu Frau, ich möchte euch nur ganz ehrlich sagen wie es bei mir war.

In den den ersten 2 Lebensmonaten hatte ich zweimal mit einem Milchstau zu kämpfen. Zu dieser Thematik hatte ich vorab ein wenig gelesen und bekam den Milchstau mit einigen Tricks schnell wieder in den Griff:

  • vor dem Stillen wärmen (heiß duschen), nach dem Stillen kühlen
  • Baby mit dem Unterkiefer an die Stelle des Milchstaus anlegen
  • Weißkohlblatt aus dem Kühlschrank in den BH legen
  • Baby öfter anlegen und Brust gegebenenfalls ausstreichen/abpumpen
  • Ruhe gönnen und nach Möglichkeit viel Schlafen

Nach einem schmerzhaften Tag legte sich der Milchstau bei mir wieder. Sollten diese kleinen Tricks nicht helfen, solltet ihr eure Hebamme um Rat beten oder zum Frauenarzt gehen um eine Brustentzündung zu vermeiden.

Still-BH, Stilleinlagen & Co

Wie bereits erwähnt, passte der in der Schwangerschaft gekaufte Still-BH nach dem Milcheinschuss nicht mehr und tat dies auch zwei Wochen später nicht. Daher würde ich empfehlen nur einen Still-BH eine Nummer größer als üblich vorab zu kaufen und erst wenn das Baby da ist zu schauen welche Größe nach dem Milcheinschuss tatsächlich benötigt wird. Stilleinlagen habe ich nur zu Beginn verwendet. Seitdem sich die Milchproduktion reguliert hat, komme ich prima ohne aus – tags wie nachts.

Mittlerweile komme ich nicht nur ohne Stilleinlagen aus, ich trage auch keine Stilltops, Still-BHs oder ähnliches mehr. In der Regel trage ich ein herkömmliches Bustier, ein gewöhnliches Stretch-Top und darüber ein Shirt/Bluse/Pullover nach Wahl. Zu Hause trage ich gar keinen BH oder ähnliches. Klappt prima. Beim zweiten Kind werde ich das von Beginn an so handhaben.

Stillen in der Öffentlichkeit

Vor meiner Schwangerschaft sind mir in der Öffentlichkeit stillende Frauen nicht aufgefallen. Ich stille Amelie ohne Tuch, Stillschal oder ähnliches wenn wir unterwegs sind. Ganz genau wie auf dem Foto in diesem Beitrag. Wenn man nicht wüsste, dass ich sie in dem Moment gestillt habe, könnte man glatt meinen ich halte sie einfach nur im Arm. Mit dem “einfach-machen”-Prinzip fahren wir daher sehr gut.

Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass das als junge Mutter nicht ganz so einfach ist. Auch ich war vor dem ersten öffentlichen Stillen ein klein wenig nervös. Zu Hause üben und eine Routine entwickeln hilft hier enorm. Das kann ein paar Wochen dauern, aber wenn man sich dabei sicher fühlt, klappt es genau so gut unterwegs. Ich schätze mich zudem glücklich, keinerlei negativen Erfahrungen beim Stillen in der Öffentlichkeit gesammelt zu haben. Mir ist durchaus bewusst, dass es andere Fälle gibt und ich hoffe sehr, dass es (ganz zeitig!) völlig selbstverständlich wird sein Baby in der Öffentlichkeit zu stillen ohne dafür im schlimmsten Fall diskriminiert zu werden.

Abpumpen & zufüttern

Zu Beginn hatte ich sehr viel Milch. Zu viel Milch. Wenn es gar nicht mehr ging habe ich daher abgepumpt. Das habe ich jedoch wirklich nur im Extremfall gemacht um einen Milchstau zu vermeiden und durch das Abpumpen die Milchproduktion jedoch gleichzeitig nicht weiter anzuregen. Die abgepumpte Milch habe ich eingefroren. Bisher kam diese jedoch nicht zum Einsatz. Denn: Amelie nimmt auch im Alter von knapp 6 Monaten weiterhin keine Flasche an. Wir haben entsprechend bisher noch nie zugefüttert, was glücklicherweise auch nicht notwendig war. Zu diesen beiden Themen kann ich daher nicht all zu viel sagen außer, dass ich dankbar um die Handpumpe in der Anfangszeit war.

Einschlafstillen & Stillen in der Nacht

Für Babys ist das Stillen viel mehr als nur reine Nahrungsaufnahme. Das Stillen vermittelt ihnen ein Gefühl von Geborgenheit und spendet Trost. Am Abend ist das Stillen für Amelie beides. Gegen 19 Uhr lege ich mich mit ihr in unser großes Familienbett. Mittlerweile dreht sie sich sobald ich sie in der Mitte des Bettes abgelegt habe auch die Seite und macht das Mündchen weit auf. Abends und in der Nacht stille ich Amelie immer im liegen. Sie trinkt sich dann an beiden Seiten satt, schläft zum Ende hin ein.

Etwa 2 Minuten nachdem sie eingeschlafen ist, kann ich aufstehen ohne dass sie aufwacht und den Raum verlassen. So machen wir das nun seit sie 3 Monate alt ist und bis auf zwei Ausnahmen hat sie stets schnell in den Schlaf gefunden. Für uns beide ist das Einschlafstillen der angenehmste Weg. Ich nutze diese Zeit gerne um am Abend ebenfalls ein wenig zur Ruhe zu kommen und vor dem Schlafen nochmals mit Amelie zu kuscheln.

Für uns ist 19 Uhr eine angenehme Schlafenszeit. Die Entscheidung für diese Uhrzeit kam jedoch nicht von uns, sondern von Amelie. Mir ist aufgefallen, dass sie plötzlich viel früher müde wurde. Zu Beginn ist sie immer einfach mit uns gegen 22 Uhr ins Bett gegangen. Eines abends habe ich sie beim ersten Anzeichen von Müdigkeit bettfertig gemacht und im abgedunkelten Schlafzimmer gestillt. Es hatte auf Anhieb geklappt. Daher gilt auch hier wieder: einfach auf’s eigene Bauchgefühl hören. Mit der Zeit lernt ihr euer Kind immer besser kennen und wisst, was es wann braucht.

Bis zur 9. Lebenswoche gab es Nächte, in denen Amelie 10 Stunden am Stück geschlafen hat. Mittlerweile gibt es unterschiedliche Phasen, in der Regel stille ich sie aber 2-4mal pro Nacht. Da wir im Familienbett schlafen und ich sie somit ganz bequem im liegen stillen kann, ist dies keine große Belastung für mich. Nachdem Amelie 5 Minuten getrunken hat, schläft sie direkt weiter. Ich schlaf oftmals sogar schon früher wieder ein. Der Papa wacht dank Familienbett mittlerweile nachts sogar gar nicht mehr auf.

Das Ende der Stillgeschichte: Abstillen

Amelie hat zwar bereits den ein oder anderen Löffel Brei probiert, wir sind jedoch noch weit davon entfernt eine Stillmahlzeit durch andere Nahrung zu ersetzen. Mit dem 6. Lebensmonat werden wir nun wieder mit der Beikosteinführung starten. Gerne halte ich euch zu dem Thema auf dem laufenden und gebe ein Update in einem gesonderten Artikel.

Weiterer Input zum Thema Stillen & Stillgeschichte

Meine Stillgeschichte beinhaltet lediglich meine persönlichen Erfahrungen und keine Expertentipps. Da es im Web noch viele weitere tolle Blogartikel zum Thema Stillen gibt, teile ich gerne einige davon mit euch:

  1. In Love With: 10 Fragen an die Stillberaterin Nancy Wunger
  2. Mamarazzi: Schlafenkind vs. Stillkind
  3. Trendshock: Öffentlich Stillen? Selbstverständlich!
  4. ekulele: 10 Tipps zum Stillen
  5. oh wunderbar: Stillen ist Liebe, Fläschengeben ebenso

Ich freue mich sehr, wenn auch ihr vielleicht einen kleinen Teil eurer ganz eigenen Stillgeschichte in den Kommentaren teilt. Wie war euer Start? Habt ihr vielleicht weitere Tipps gegen den Milchstau? Welche Erfahrungen habt ihr beim Stillen in der Öffentlichkeit gesammelt?

2 Kommentare

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  2. Ein sehr schöner Artikel. Vielen Dank Julia!
    Meine Tochter ist nun 15 Wochen alt und wir hatten auch unsere Startschwierigkeiten beim Stillen; insbesondere die schmerzhaften und offenen Brustwarzen. Zum Glück machte mich die Hebamme/Stillberaterin mit den Silberhütchen bekannt. Silber wirkt antibakteriell und heilend. Meine Brustwarzen waren „wie neu“ nachdem ich die Hütchen nachts getragen hatte. Ich bin total davon begeistert und kann es jeder stillenden Frau empfehlen.

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