Windelfrei – Ganz ohne Druck

Windelfrei – was bedeutet das eigentlich? Und klappt das bei einem 6 Monate alten Baby? Wie kann man starten? In diesem Artikel erzähle ich euch wie wir, ganz ungeplant, im 6. Lebensmonat unseren eigenen windelfreien Weg eingeschlagen haben. Ganz ohne Druck und ohne Zwang dafür mit viel Liebe und Aufmerksamkeit..

Bis vor einem Monat habe ich selbst noch nicht so recht dran geglaubt. Dass das sogenannte Abhalten eines 6 Monate alten Babys so gut klappen kann. Der Begriff “windelfrei” ist mir untergekommen, da meine Schwester zufälligerweise auf einer Messe einen Vortrag zu dem Thema gehört hat. Sie hat mir keine genauen Details erzählt und ich habe mich nicht weiter dazu informiert. Eine Anleitung, wie das ganze funktionieren soll oder könnte, hatte ich also nicht im Kopf. Ich hab’s einfach gemacht.

Auf die eigene Intuition hören und den richtigen Moment abwarten

Babys entwickeln mit der Zeit gewisse Rhythmen – die sich gerne in regelmäßigen Abständen wieder ändern. Vor etwa einem Monat hat meine Tochter jeden Morgen nach dem Aufwachen ein großes Geschäft verrichten müssen. Um 6 Uhr. Zu 90% wickeln wir mit Stoffwindeln, in der Nacht verwenden wir jedoch bisher Wegwerfwindeln. In meinem Artikel über unsere Stoffwindeln bin ich ein wenig genauer darauf eingegangen. Mit den Stoffwindeln hatten wir dieses Problem nie, doch die Wegwerfwindel wurde jeden Morgen zum Überlaufen gebracht. Für alle Beteiligten keine schöne Situation. Man spürte, dass Amelie sich damit nicht wohl fühlte.

Eines Morgens fing Amelie an unruhig zu werden kurz vor 6 Uhr. Noch im Halbschlaf wälzte sie sich hin und her. Ich wurde davon wach. Und wusste ganz genau, was wenige Augenblicke später folgen würde: das große Geschäft. Da habe ich sie mir mit den Worten “Ich halte sie nun einfach über’s Klo” geschnappt und tat eben dies. Es hat sofort geklappt. Sämtliche Ausscheidungen landeten in der Toilette und das Baby blieb sauber. Eine großes Erfolgserlebnis, über das auch Amelie sich sichtlich freute.

Kommunikation zwischen Baby und Eltern

Das unruhige hin und her Wälzen am Morgen war ein Signal, das Amelie gegeben hat und das ich auf Anhieb verstanden habe. Ich habe den Tag über versucht weiter auf solche Signale zu achten. Obwohl es mir 6 Monate lang scheinbar nicht aufgefallen war, war es nun plötzlich ganz eindeutig. Amelie macht ein bestimmtes Geräusch, ihre Atmung verändert sich und sie spannt den Bauch an. Manchmal tritt alles auf einmal ein, manchmal ist es bloß ein dumpfes Gefühl. Das ist tatsächlich schwer zu beschreiben und variiert von Baby zu Baby. Mittlerweile fällt es mir sogar auf wenn ich während des Essen am Tisch sitze und sie auf dem Boden auf der Krabbeldecke liegt. Das kommt mit der Zeit.

Wenn es zur Toilette geht, spreche ich mit Amelie und wiederhole stets die gleichen Worte. Ich schaue sie an und frage sie “Musst du zur Toilette?”. Teils befreie ich sie dann entweder auf dem Bett oder dem Boden bereits von ihrer Hose und laufe dann mit nacktem Po zunächst quer durch die Wohnung. Erst wenn sie auf der Toilette hockt, legt sie los. Immer noch bin ich ganz erstaunt, wie gut sie das versteht und umsetzt. Auch bei Oma & Opa und im Restaurant hat es schon geklappt.

Morgens warten wir gar nicht mehr auf ihre Singale. Wir wissen, dass sie nach dem Aufwachen zunächst einmal zur Toilette muss. Der morgendliche Toilettengang klappt mittlerweile auch mit dem Papa richtig gut. Auch während wir sie abhalten sprechen wir mit ihr und bestärken sie.

Windelfrei und trotzdem Windeln an?

Der Begriff “windelfrei” ist ein wenig irreführend. Ich habe für mich jedoch noch kein anderes Wort gefunden, das das, was wir machen, treffend umschreibt. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass nahezu jede Familie die windelfreie Säuglingspflege ganz individuell umsetzt und die wenigsten dabei zu 100% auf Windeln verzichten.

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Am Abend ziehen wir Amelie für eine knappe Stunde die Windeln aus lassen sie nackt zappeln, wie wir stets liebevoll sagen. Sie liebt es komplett nackt zu sein und kugelt sich ohne Kleidung und Windel vergnügt quer durchs Wohnzimmer. Die restliche Zeit trägt Amelie jedoch Stoffwindeln. Bisher gelingt es uns nur das große Geschäft abzuhalten. Dabei landet zwar auch immer wieder Pipi in der Toilette, ein Großteil davon geht jedoch weiterhin in die Windel. Vielleicht ändert sich das noch, auch das möchte ich ganz ohne Druck angehen.

Damit möchte ich ganz klar sagen: es gibt kein richtig oder falsch, nicht den einen Optimalweg. Jede Familie findet ihre ganz eigene windelfrei-Version soweit sie das möchte. Es klappt gewiss auch nicht immer. In unserem ersten Monat windelfrei ist noch etwa 5 mal ein großes Geschäft in der Windel gelandet. Ich bin gespannt wie sich das weiterentwickelt, gewiss wird es einen Update-Post geben.

Bedeutet windelfrei nicht mehr Arbeit?

Natürlich kann ich nur für uns und unsere Version sprechen. Da lautet die Antwort ganz klar: nein! Im Gegenteil, windelfrei bedeutet für uns alle drei ein Stück weit Erleichterung. Amelie fühlt sich wohler, da sie sich nicht voll macht. Ein ganz natürliches Bedürfnis von Babys, das wir gerne befriedigen. Für uns bedeutet es weniger Aufwand sie abzuhalten anstatt Amelie und die eventuell beschmutzen Klamotten wieder frisch zu machen. Da wir mit Stoffwindeln wickeln, freut sich auch unsere Waschmaschine über die “sauberen” Einlagen.

Könnt ihr euch vorstellen euer Baby abzuhalten? Oder habt vielleicht sogar bereits euren ganz eigenen windelfreien Weg gefunden? Wir haben keine besondere Kleidung oder Utensilien und fahren damit bisher ganz gut. Ich bin aber schon ganz gespannt, welche Erfahrungen ihr bereits gesammelt habt – ich freue mich auf eure Geschichten in den Kommentaren!

9 Kommentare

  1. Danke für deinen tollen Artikel.
    Ich habe zwei Jungs. Der große wird Sonntag 2 und wird seit letztem Dezember mit Stoffwindeln gewickelt. Mein kleiner ist jetzt 2 Monate alt und hat ganz zu meiner Freude noch keine herkömliche Pampers am Po gehabt.
    Ich habe mir das Abhalten viel komplizierter vorgestellt. Aber ich werde es definitiv ausprobieren.
    Also nochmal danke für den Artikel. Ich freue mich immer wieder auf solche Dinge zu stoßen. Ich wohne in einer sehr konservativen Ecke Deutschlands und werde schon komisch angeschaut, wenn ich länger als 6 Monate stille. Mit unseren Stoffwindeln und der Hausgeburt vor 2 Monaten haben wir uns quasi als Alternativos geoutet.

  2. Danke für den tollen Bericht. Oft beobachte ich meine Kleinen (6 Monate), kann aber keine Signale erkennen. Zumal wir ein Exemplar haben, der sein großes Geschäft nur einmal die Woche macht. Vielleicht ändert sich das nochmal. Wenn er sitzen kann, möchte ich die Babytoilette nutzen. Liebe Grüße!!!

  3. Interessanter Beitrag! Du schreibst, dass ihr fürs Abhalten keine besonderen Utensilien benötigt – d.h. auch keinen speziellen Kindertoilettensitz? Ihr haltet Amelie einfach über die Toilette?
    Unser kleiner Elian entwickelt so langsam auch einen Rhythmus und ermutigt durch deinen Blogeintrag wollen wir „windelfrei“ auch mal probieren. Danke fürs Teilen!

    • Julia Recker

      Ganz genau – ich hocke mich auf den Boden vor der Toilette, greife unter ihre Ärmchen/in ihre Achseln und halte sie so ab. Zu Hause berühren ihre Oberschenkel dabei den Sitz. Unterwegs halte ich dann die Beine auch hoch. Eine Freundin, die ihr 7 Monate altes Baby ebenfalls abhält, setzt sich auf die Toilette und “klemmt” das Baby zwischen die Beine – vielleicht auch eine Option für euch. Gerne doch! Ganz viel Freude und Erfolg beim Ausprobieren, berichte doch bei Gelegenheit einmal 🙂

      • Alexandra

        Ok, toll, danke für die rasche Rückmeldung . Elian ist jetzt drei Monate alt, mal sehen, wann wir uns zum ausprobieren „bereit fühlen“. Aber werde dann sicher berichten.
        Alles Gute bis dahin,
        Alex

  4. Toll wie ihr das macht! Mein kleiner Hannes (7 Monate) macht meist auch morgens nach dem Aufwachen aber er schläft schon in seinem Zimmer so dass wir es gar nicht mitbekommen. Es stört ihn aber nicht & die Windel hält das locker aus. Wir wickeln auch mit Stoff außer nachts. Eine Frage hab ich: ich würde Hannes auch gerne nackig strampeln und krabbeln lassen habe aber Angst dass ihm das zu kalt ist. Wie macht ihr das?
    Achja: ich bin großer Fan von deinem Blog & entdecke so viele Gemeinsamkeiten, nicht nur die Zwerge die fast gleich alt sind .

    Liebe Grüße Silke

    • Julia Recker

      Im Sommer ist das mit dem nackt zappeln lassen oftmals gar kein Problem – Amelie ist meist eh eher zu warm. Wenn es doch einmal kühler ist, wärmen wir den Raum (bei uns das Wohnzimmer) etwa eine halbe Stunde vorher auf durch das Anstellen der Heizung. Anfangs kam am Wickeltisch zudem ein Heizstrahler zum Einsatz. Zudem schaue ich immer wieder ob sie beginnt auszukühlen. Wenn etwa die Füßchen ein wenig kühl sind, ziehe ich ihr Socken an und nur der Rest bleibt nackig. Bisher hatte ich aber nie das Gefühl, dass ihr tatsächlich kalt ist 🙂 Ganz lieben Dank dir für die herzlichen Worte! <3

  5. Ich muss ehrlich sagen, bisher fühlte es sich für mich immer zu kompliziert an, windelfrei auszuprobieren. Aber wenn es so unkompliziert vei euch klappt, werd ich meine Maus in Zukunft auch einfach mal besser beobachten und schauen, ob das etwas für uns ist. Danke für deine kleinen, aber hilfreichen Tipps!

    Liebe Grüße
    Anna

    • Julia Recker

      Gerne doch! So wie wir es handhaben, halten wir Amelie 2-3 mal pro Tag ab. Für uns eine Erleichterung und überhaupt nicht kompliziert – vielleicht findet ihr ja auch noch euren ganz eigenen Weg 🙂

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